Northeimer Datenbank Deutsches Gedicht

Die Erkennende von

Die Erkennende

Menschen lieben uns, und unbeglückt
stehn sie auf vom Tisch, um uns zu weinen.
Doch wir sitzen übers Tuch gebückt,
und sind kalt und können sie verneinen.

Was uns liebt, wie stoßen wir es fort!
und uns Kalte will kein Gram erweichen.
Was wir lieben, das entrafft ein Ort,
es wird hart und nicht mehr zu erreichen.

Und das Wort, das waltet, heißt: Allein!
wenn wir machtlos zueinanderbrennen.
Eines weiß ich: Nie und nichts wird mein.
Mein Besitz allein: Das zu erkennen.

Sie den Freund, der deine Speise teilt,
hinter Stirn und Antlitz sich versammeln.
Wo dein Blick ihm auch entgegeneilt,
weilt ein Fels, den Eingang zu verrammeln.

Wenn ich walle durch den Lampenbann,
meine Schritte höre, böse Wandrer,
dann erwach' ich, und bin nebenan,
und mir selbst ein Grinsender und Andrer!

Ja, wer niederfährt zu diesem Stand,
wo das Einsame sich teilt und spaltet,
der zerrinnt sich selbst in seiner Hand,
und nichts lebt, was ihn zusammenfaltet.

Keinem Schlaf mehr ist er einverleibt,
immer fühlt er, wie wir selbst uns tragen.
Und die Nacht, die ihm, des Lebens bleibt,
unabwendlich ist ein Wald zum Klagen.