Northeimer Datenbank Deutsches Gedicht

Lächeln, Atmen, Schreiten von

Lächeln, Atmen, Schreiten

Schöpfe du, trage du, halte
tausend Gewässer des Lächelns in deiner Hand!
Lächeln, selige Feuchte ist ausgespannt
all übers Antlitz.
Lächeln ist keine Falte,
Lächeln ist Wesen vom Licht.
Durch die Räume bricht Licht, doch ist es noch nicht.
Nicht die Sonne ist Licht,
erst im Menschengesicht
wird das Licht als Lächeln geboren.
Aus den tönenden, leicht, unsterblichen Toren,
aus den Toren der Augen wallte
Frühling zum erstenmal, Himmelsgischt,
Lächelns niederglühender Brand.
Im Regenbrand des Lächelns spüle die alte Hand,
schöpfe du, trage du, halte!

Lausche du, horche du, höre!
In der Nacht ist der Einklang des Atems los,
der Atem, die Eintracht des Busens groß,
Atem schwebt
über Feindschaft finsterer Chöre.
Atem ist Wesen vom höchsten Hauch.
Nicht der Wind, der sich taucht
in Weid', Wald und Strauch,
nicht das Wehn, vor dem die Blätter sich drehn ...
Gottes Hauch wird im Atem der Menschen geboren.
Aus den Lippen, den schweren,
verhangen, dunkel, unsterblichen Toren,
fährt Gottes Hauch, die Welt zu bekehren.
Auf dem Windmeer des Atems hebt an,
die Segel zu brüsten im Rausche,
der unendlichen Worte nächtlich beladener Kahn.
Horche du, höre du, lausche!

Sinke hin, knie hin, weine!
Sieh der Geliebten erdenlos schwindenden Schritt!
Schwinge dich hin, schwinde ins Schreiten mit!
Schreiten entführt
alles ins Reine, alles ins Allgemeine.
Schreiten ist mehr als Lauf und Gang,
der sternenden Sphäre Hinauf und Entlang,
mehr als des Raumes tanzender Überschwang.
Im Schreiten der Menschen wird die Bahn der Freiheit geboren.
Mit dem Schreiten der Menschen tritt
Gottes Anmut und Wandel aus allen Herzen und Toren.
Lächeln, Atem und Schritt
sind mehr als des Lichtes, des Windes, der Sterne Bahn,
die Welt fängt im Menschen an.
Im Lächeln, im Atem, im Schritt der Geliebten ertrinke!
Weine hin, knie hin, sinke!