Northeimer Datenbank Deutsches Gedicht

Schweigen von

Schweigen

Laß das Schweigen zwischen dir und mir sein
zart und schillernd wie venedisch Glas,
laß uns stumm versunken wie ein Tier sein
fern am Waldrand im betauten Gras.

Sprich nicht: Sieh, die lauten Worte fallen
wie ein Stein in glänzend glatte Flut,
wühlen auf der Wasser dunkles Wallen,
schüren böser Brände rote Glut.

Sieh, im Schweigen spiegelt sich das All;
dunkle Rätselwolken, lichte Träume,
Blitze zuckend durch verhüllte Räume —
Gottes Worte wehen ohne Hall.

Wie ein Quell aus dumpfer Tiefe bricht,
wie die Bäche hold durch Wiesen gehen
und Gedanken kühn wie ein Gedicht,
von den Felsen kühl herniederwehen.

Es erschließen endlos sich die Weiten,
über denen rot die Sonne flammt:
über alle rauhen Wirklichkeiten
senkt sich tief des Schweigens Purpursamt.