Northeimer Datenbank Deutsches Gedicht

Abend von

Abend

Aus dem schwarzen Wald
tritt das Reh hervor.
Rote Rose bleicht am bittern Dorn.
Wolke öffnet sich:
aus dem grünen Tor
hebt der Mond sein schmales Silberhorn.

Lerche schweigt schon lang.
Über Tal und Au
schwingt des Abends bunte Melodie —
lichter Kiefernhain,
spätes Himmelsblau:
Karneol und Lapislazuli.

Fernes Lied verhallt
mit dem letzten Schein.
Ist denn niemand mehr, der mit mir wacht?
Komme mit dem Wind,
laß mich nicht allein!
Aus der dunklen Tiefe steigt die Nacht.