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Als ich zur Nacht ... von

Als ich zur Nacht ...

Als ich zur Nacht vor deinem Hause stand —
in trüben Stößen fegte um mich Wind —
ich war so bang, wie Heimatlose sind,
die sich verirrt im fremden, dunklen Land.

Aus grauer Ewigkeit schien mir die Wand,
die sonst so zärtlich wilder Wein umspinnt —
als seien meine Augen tränenblind,
als tastete ins Jenseits meine Hand.

Ich stand und starrte, fremd und dumpf betäubt.
Ich fand dein Bild nicht mehr. Verweht, zerstäubt
war alles, Sehnsucht, Freude, bunte Feste.

Und war's nicht gestern, daß dein Atem nah
mich noch umrann, daß ich dein Lächeln sah,
daß deine Hand sich scheu in meine preßte?