Northeimer Datenbank Deutsches Gedicht

Madonna zur Linde von

Madonna zur Linde

Du brummelnd Meisterlein, das mich einst
geschnitzt aus duftendem Holz und mit dörflicher
Frömmigkeit und steifer Anmut
ausgestattet!

Dich nagen die Würmer längst unterm Rasenhügel;
und mich die Würmer, in meinem Holzkleid wohnend.

Vertrocknete Blumen rascheln um meine Stirn,
verhutzelte Gebete zu meinen Füßen;
doch steh ich immer geduldig auf dem zerbrochnen
Hörnlein des Mondes, dem regenverwaschnen, und lächle
schattig, wenn ihr, Schnitter, vorüberlärmt,
mit Sense und Krug, mit derben Waden die Mägde,
hemdsärmlig die Buben, und die Haselhacken
knistern — viel Haseln, viel Kinder, heißt es —
und sie so mit meinem Lindenstamm
verwachsen zu einem alten Heimatlächeln,
davon die Brautpaare mitnehmen, wenn sie zum Tanze
schwänzeln, und die Alten, wenn sie zum Tanze
schwänzeln, und die Alten, wenn sie zum Kirchhof
tappeln ...