Northeimer Datenbank Deutsches Gedicht

Notturno von

Notturno

Wenn die Nacht ihren Leidenden sucht,
fällt sie leis in die Fenster und fragt,
und sie setzt sich ans Bett und sie bucht,
was der Beichtende stammelnd da sagt.

Und es ist ja nicht immer der Tod,
wes die Rede geht zwischen den zwein.
Da ist vieles, was furchtbar droht,
und nicht alles wird Beichte nur sein.

Da ist Trauer und Klage und Wahn —
doch es kann einer mehr nicht bereun,
als die Nacht an ihm Böses getan:
Wer da tötete, tat's nicht allein.

Da ist Aufruhr und bitterer Schrei
eines Mannes, der die Heimat nicht hat,
immer fern an der Liebe vorbei,
die erstickt er in Tränen todmatt.

Und der Leidende spricht mit der Nacht,
und nicht alles ist Beichte allein,
un sie nimmt, die die Mütter gemacht,
ihn ans Herz. Sie wird gnädig ihm sein.

Sie wird gnädig ihm sein: wie die Schuld
ist der Schmerz — und der tilgt ja — gebucht
Gott ist groß, eine große Geduld,
wenn die Nacht ihren Leidenden sucht.