Northeimer Datenbank Deutsches Gedicht

Auf Capri von

Auf Capri

Hier mein Leben möcht' ich verträumen
Über der Brandung am leuchtenden Meer;
Jubelnd in den unendlichen Räumen
Schweift auf den Wellen die Seele einher;

Wiegt sich an hallenden Felsengestaden,
Wo auf den Klippen die Goldfrucht reift
Und mit Duft der Zitronen beladen
Über die Flut der Südwind streift;

Schlummert in Grotten und dämmernden Hallen,
Taucht in der Wasser verborgensten Schacht,
Wo es von Perlen und bunten Korallen
Funkelt und blitzt in der purpurnen Nacht.

Wenn im Sturme sich bäumen die Wogen,
Tragen sie mich auf dem gleitenden Saum
Durch die siebenfarbigen Bogen,
Die sich wölben über dem Schaum,

Und zu gähnenden Flutabgründen
Stürz' ich hinunter mit dem Orkan,
Bis wo den flammenden Kraterschlünden
Brausend entquillt der Ozean.

Wieder dann droben, nahe dem Himmel,
Zauchzt die Seele im lichten Azur,
Singt mit dem donnernden Wogengetümmel
Deine ewige Hymne, Natur!

Und als zerinnende Welle im Meere,
Doch wie du selber unsterblich und groß,
Kehr' ich im Geiste, du Göttliche, Hehre,
Heim in deinen allheiligen Schoß!