Northeimer Datenbank Deutsches Gedicht

Klein Sonntagshell von

Klein Sonntagshell

Ist keiner, der mir sagen will,
Gibt keiner davon Kunde,
Warum der Wald so zauberstill
In erster Sonntagsstunde?
Warum er gar so festlich steht
In schimmerndem Gepränge?
Warum ein seltsam Schauern geht
Durch seine Laubengänge? —

Es steht im Wald ein kleines Haus,
Von Tännlein ganz verborgen,
Da schlüpft ein Knäblein sacht heraus
Am frühen Sonntagsmorgen:
Das ist der kleine Sonntagshell,
Den grüßen die Blumen mit Neigen;
Er tritt von seines Häusleins Schwell'
Hinaus in das träumende Schweigen.

Er tritt in den dämmernden Wald hinaus
Und schreitet hernieder zur Quelle,
Er taucht einen lachenden Blütenstrauß
Hinein in die zaub'rische Welle.
Ein goldener Regen, tauig und frisch,
Dem blinkenden Strauße entgleitet,
Und wo er wandelt, auf Baum und Gebüsch
Ein seltsames Glänzen sich breitet.

Und wo er schreitet, und wo er naht,
Und wo er lang' schon geschieden,
Da wölbt sich's so kirchenstill über den Pfad
Von festlichem Sonntagsfrieden.
Wie Orgelton rauschet und murmelt der Quell,
Die Lauben leuchten und prangen,
Wo früh am Morgen klein' Sonntagshell
Ist durch den Wald gegangen.