Northeimer Datenbank Deutsches Gedicht

Herbstmorgen von

Herbstmorgen

Herbstmorgen hat die Flur geweckt;
Sie regt sich nicht, die Nacht war hart.
Purpurne Blättchen überdeckt
Mit Perlen sind noch ganz erstarrt.
Ein blauer Duft
Hüllt alles ein; still ist die Luft.

Brombeer' greift rankend übers Feld,
Des Wandrers Fuß erschrickt vor ihr.
Raubvogelschrei mitunter gellt
Von fernher aus dem Waldrevier.
Und wieder bald
Wird alles still, kein Laut erschallt.

Auf einmal, einem Schatten gleicht's,
Tauscht aus dem Nebel das Gespann
Des Pflügers auf und langsam steigt's
Gemeßnen Schritts am Berg hinan,
Und wendet um,
Im Duft verblassend wiederum.

O Korn, nun bald weich zugedeckt,
Ruh sanft, schön ist dein Bett gemacht;
Bis dich die Frühlingssonn' erweckt,
Bis dahin ist manch lange Nacht.
Wer wird einst sehn
Das Ährenfeld in Wogen gehn?