Northeimer Datenbank Deutsches Gedicht

Die Räuberbrüder von

Die Räuberbrüder

»Vorüber ist der blut'ge Strauß,
Hier ist's so still, nun ruh dich aus.«

»Vom Tal herüber kommt die Luft;
Horch, hörst du nichts? Die Mutter ruft.«

»Die Mutter ist ja lange tot,
Eine Glocke klingt durchs Morgenrot.«

»Lieb Mutter, hab nicht solches Leid,
Mein wildes Leben mich gereut. -«

»Was sinkst du auf die Knie ins Gras?
Deine Augen dunkeln, du wirst so blaß.« -

Es war von Blut der Grund so rot,
Der Räuber lag im Grase tot.

Da küßt der Bruder den bleichen Mund:
»Dich liebt ich recht aus Herzensgrund.«

Vom Fels dann schoß er noch einmal
Und warf die Büchse tief ins Tal.

Drauf schritt er durch den Wald zur Stadt:
»Ihr Herrn, ich bin des Lebens satt.

Hie ist mein Haupt, nun richtet bald,
Zum Bruder legt mich in den Wald.«