Northeimer Datenbank Deutsches Gedicht

Zu Straßburg auf der Schanz von

vgl. Der Schweitzer (Wunderhorn)

Zu Straßburg auf der Schanz
Da fing mein Trauern an;
Da wollt' ich den Franzosen desertieren,
Und wollt' es bei den Preußen probieren,
Das geht nicht an.

Eine Stund wohl in der Nacht,
Sie haben's mich gebracht.
Sie führten mich vors Hauptmanns Haus,
O Gott, sie fischten mich im Strome auf.
Mit mir ist's aus.

Früh morgens um zehn Uhr
Stellt man mich dem Regimente vor.
Da sollt ich bitten um Pardon,
Und ich bekomm doch meinen Lohn,
Das weiß ich schon!

Ihr Brüder allzumal,
Heut seht ihr mich zum letzten Mal.
Der Hirtenknab allein ist schuld daran,
Das Albhorn hat mir solches angetan,
Das klag ich an.

Ihr Brüder alle drei,
Ich bitt', schießt allzugleich!
Verschont mein junges Leben nicht;
Schießt, daß das rote Blut rausspritzt,
Das bitt ich euch!

O Himmelskönigin,
Nimm du meine Seele hin!
Nimm sie zu dir in Himmel hinein,
Allwo die lieben Englein sein.
Vergiß nicht mein!

Um 1786