Northeimer Datenbank Deutsches Gedicht

Rautenkranz von

Rautenkranz

Es ritt der Hansel in eim Schritt,
er schoß nach einer Taube,
er schoß der Taub' ein Federlein aus
und ließ sie wieder fliegen.

Ich gieng im Dörflein auf und ab,
mein schön Lieb kam gegangen:
?Kehr um, kehr um, du schönes Lieb,
der Wind der weht so kühle!?

?Und weht der Wind gleich noch so kühl,
mich thut es doch nicht frieren:
Es ist mir um mein Rautenkranz,
und den thät ich verlieren."

?Und ists dir um dein Rautenkranz,
den du thätest verlieren:
Am Dienstag ziehn die Krämer ins Land,
schöns Lieb, kauf dir einen neuen!?


?Was hilft mir denn der neue Kranz,
wenn ich ihn nicht darf tragen?
Mir ist gefall'n mein Schleierlein weiß
von meim goldgelben Haare."

Und wie dreiviertel Jahr um war'n,
der Kranz hat sich gefunden:
Sie hab'n ihn in ein Wiege gelegt
mit grüner Seid' umwunden.

Hast du von grüner Seid' so viel
dazu von rothem Golde?
Als wir nächten beisammen war'n
so redten wir was wir wollten.

16. Jahrhundert