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Rosengarten von

Rosengarten

Jungfrewlein, sol ich mit euch gan
in euern rosengarten?
Und da die roten rosen stan
die feinen und die zarten,
und auch ein baum der blüet
von esten ist er weit,
und auch ein küler brunne
der auch darunter leit.'

?In meinen garten kumstu nit
zu disem morgen frü,
den zarten schlüßel findstu nit,
er ist verborgen hie;
er leit so wol verschlossen,
er leit in guter hut,
der knab darf weiser lere
der mir den garten auftut."

Ich kam zu ir in garten,
wie manch gut Gesell mer tut,
do stund das selbig jungfrewlein
so gar in gutet hut;
es sang von heller stimmen,
daß in dem garten erschal,
die vögel in den lüften
gabens den widerhal.
Ich kam zu ir getretten,
wie manch gut gsell mer tut,
ich wollt sie han gebetten,
ich bot ir meinen gruß.
Ich ward zu einem stummen
vor scham da stund ich rot,
bei allen meinen tagen
leid ich nie größer not.

?Gut gsell! darumb mich betten hast,
das kan und mag nit sein,
du woltest mir zertretten han
die liebsten blümlein mein:
So ker dich wider umbhin
und gang du wider heim!
du brächtest doch mich zu schanden,
fürwar ist mir nit klein."

Ich kert mich wider umbher,
ich gieng bald wider heim,
da stund das selbig jungfrewlein
so gar in guter hut;
es sang von heller stimmen,
daß in dem garten erschal,
die vögel in den lüften
gabens den widerhal.
Ich kam zu ir getreten,
wie manch gut gsell mer tut,
ich wollt sie han gebetten,
ich bot ir meinen gruß.
Ich ward zu einem stummen
vor scham da stund ich rot,
bei allen meinen tagen
leid ich nie größer not.

?Gut gsell! darumb mich betten hast,
das kan und mag nit sein,
du woltest mir zertretten han
die liebsten blümlein mein:
So ker dich wider umbhin
und gang du wider heim!
du brächtest doch mich zu schanden,
fürwar ist mir nit klein."

Ich kert mich wider umbher,
ich gieng bald wider heim,
da stund das selbig jungfrewlein
in seinem garten allein:
Sie pflanzt ir gelbes hare,
von gold hat es ein farb,
mit irem roten munde
sie mir den segen gab.

16. Jahrhundert