Northeimer Datenbank Deutsches Gedicht

Herzens-Schlüssel von

Herzens-Schlüssel

Bei meines bulen kopfen
da stet ein güldner schrein,
darin da leit verschloßen
das junge herze mein.
Wolt gott, ich het den schlüßel,
ich würfe jn in den Rein;
wär ich bei meinem bulen,
wie möcht mir daß gesein!

Bei meines bulen füßen
da fleußt ein brünnlein kalt,
wer das brünnlein tut trinken
der jungt und wird nicht alt.
Ich hab das brünnlein getrunken
gar manchen stolzen trunk,
vil lieber wolt ich mir wünschen
meins bulen roten mund.

In meines bulen garten
da sten vil edeler blüt.
Wolt gott, ich solt ir warten,
das wer meins herzen freud,
die edlen röslein brechen,
denn es ist an der zeit;
ich trau sie wol zu erwerben,
die mir im herzen leit.

In meines bulen garten
da sten zwei beumelein
das eine tregt muscaten
das ander negelein;
Muscaten die sind süße
die negelein die sind reß,
die gib ich meinem bulen,
daß er mein nicht vergeß.

Zu dienst sei das gesungen
der allerliebsten mein;
ir lieb hat mich bezwungen,
ich kan ir nit feind gesein;
die weil ich hab das leben,
das glaub sie mir fürwar,
wil ich sie nit aufgeben,
und lebt ich tausend jar.

Und der uns diesen reien sang
so wol gesungen hat:
Das haben getan zwen hauer
zu Freiberg in der stat.
Sie haben so wol gesungen
bei met und külem wein,
darbei da ist geseßen
der wirtin töchterlein.