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Der Ulinger von

Der Ulinger

Gut ritter der reit durch das ried,
er sang ein schönes tagelied;
Er sang von heller stimme,
daß in der burg erklinget.

Die jungfraw an dem laden lag,
sie hört den ritter singen:
?Ja wer ist der da singet?
mit dem wil ich von hinnen.?

?O jungfraw, wolt ir mit mir gan?
ich wil euch lernen was ich kan,
ich wil euch lernen singen
daß gegen der burg tut klingen."

Die jungfraw in ir schlafkammer trat,
ir gelbes har in seiden hand,
sie kleidt sich in silber und rotes gold,
gleich wie eine, die von hinnen wolt.

Er schwang sein grünen schilt neben in,
sein schöne jungfraw hinter in,
er eilte also balde
zu einem grünen walde.

Und da sie in den wald ein kam,
und da sie leider niemand fand,
dann nur ein weiße tauben
auf einer haselstauden:

Ja hör und hör, du Fridburg,
ja hör und hör, du jungfraw gut!
Der Ulinger hat eilf jungfrawen gehangen,
die zwelft hat er gefangen.

?Ja hör so hör, du Ulinger,
Ja hör so hör, du trauter herr!
Was sagt die weiße tauben
auf jener haselstauden??

?Ja jene taube leugt mich an,
sie sieht mich für ein andern an,
sie leugt in iren roten schnabel;
ach schöne jungfraw, reitt fürbaß!"

Er breit sein mantel in das gras,
er bat sie, daß sie zu im saß;
er sprach: sie sollt im lausen,
sein gelbes har zerzausen.

Er sach ir unter die augen da:
?was weinet ir, schöne jungfraw?
weint ir um euren trawrigen man?
ich hab euch nie kein leid getan."

?Ich wein nicht um mein trawrigen man,
ir habt mir nie kein leids getan,
ich sich dort einher reiten
ein große schar mit leuten.

Ja wilt du zu in reiten,
oder wilt du mit in streiten?
Oder wilt du von der liebe stan,
dein schwert zu beiden henden han?'

?Ich wil nicht zu in reiten
ich wil nicht mit in streiten,
ich wil wol bei der liebe stan,
mein schwert zu beiden henden han."

Sie reit ein weil baß hindan,
und da sie leider niemand fand
dann nur eine hohe tannen,
daran eilf jungfrawen hangen.

Sie wandt ir hend, rauft aus ir har,
sie klagt gott ir leid offenbar.
?Ich bin so ferr in tiefem tal,
daß mich kein mensch nit hören mag.

So bitt ich dich, mein Ulinger!
so bitt ich dich, mein trauter herr,
du wöllest mich lassen hangen
in kleidern da ich in gangen!?

?Das bitt mich nit, du Fridburg,
das bitt mich nit, du jungfraw gut,
dein schwarzer rock und dein scharlach mantel
stat meiner jungen schwester wol an."

?So bitt ich dich, du Ulinger,
so bitt ich dich, du trauter herr,
du wöllest mir erlauben
ein schrei zween oder dreie!?

?Das solle dir erlaubet sein,
du bist so serr im tiefen tal;
du bist so serr im tiefen tal,
daß dich kein mensch nicht hören mag."

Den ersten schrei und den sie tet:
?hilf Jesu, Marie sone!
Und komst du nicht so balde,
so bleib ich in diesem walde.?

Den andern schrei und den sie tet:
?hilf Jesu, Marie sone!
Und komst du nicht so balde,
so bleib ich in diesem walde.?

Den andern schrei und den sie tet>
?hilf Maria, du reine maid!
Und komst du nicht behende,
mein leben hat schier ein ende!?

Den dritten schrei und den sie tet>
?hilf allerliebster bruder mein!
Und komst du nicht so drate,
mein leben würd mir zu spate.?

Ir bruder über den hof ein reit,
und einer zu dem andern seit:
??Mich dunkt in all meim sinne,
ich hör meiner schwester stimme."?

Er ließ seinen falken fliegen,
er ließ seine winde stieben,
er eilet alsobalde
zu einem finstern walde.

??Was tust du hie, mein Ulinger?
was tust du hie, mein trater herr?"
?So stand ich hie und wind ein wid,
daran ich mein folen bind."

??Und stast du hie und windst ein wid,
da du dein folen anbinden wilt,
so red ichs auf die trewe mein:
du solt mir selber der folen sein!?"

?So bitt ich dich, mein Fridburger,
so bitt ich dich, mein trauter herr,
du wöllest mich lassen hangen
in kleidern da ich jetzt stande!?"

??Das bitt mich nicht, du Ulinger,
das bitt mich nicht, du falscher herr!
Dein schwarzer rock und dein scharlach mantel
stat meinem kuchenbuben wol an!?"

Er schwang seinen grünen schild neben in,
sein schöne schwester hinter in,
Er eilet also veste
da er seins vaters künigreich weste.