Northeimer Datenbank Deutsches Gedicht

Ich far dahin von

Ich far dahin

Ich far dahin, wann es muß sein,
ich scheid mich von der liebsten mein,
zur letzt laß ich das herze mein,
dieweil ich leb, so sol es sein:
ich far dahin, ich far dahin.

Das sag ich aber niemant mer:
meim herzen geschach noch nie so we!
O lieb, sie gliebt mir je lenger je mer;
durch meiden muß ich leiden sehr:
ich far dahin, ich far dahin.

Daß ich von scheiden nie hört sag'n!
davon so muß ich mich beklag'n,
muß tragen leid im herzen mein,
so mag es anders nit gesein:
ich far dahin, ich far dahin.

Ich bitt dich, liebste frawe mein,
wann ich dich mein und anders kein,
wann ich dir gib mein lieb allein
gedenk, daß ich dein eigen sein:
ich far dahin, ich far dahin.

Halt deine trew als stät als ich!
wie du wilt, so findestu mich;
halt dich in hut, des bitt ich dich!
ich far dahin, ich far dahin.

16. Jahrhundert