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Das Lied vom Scheiden von

Das Lied vom Scheiden

Ach got, wie we tut scheiden!
hat mir mein herz verwundt;
so trab ich über die heiden
und traur zu aller stund.
Der stunden der seind also vil,
mein herz tregt heimlichs leiden,
wie wol ich oft frölich bin.

Het mir ein gertlein bauet
von veil und grünem kle,
ist mir zu frü erfroren,
tut meinem herze we. —
Ist mir erfrorn bei sonnenschein
ein kraut je lenger je lieber,
ein blümlein vergiß nicht mein.

Das blümlein, das ich meine,
das ist von edler art,
ist aller tugent reine.
ir mündlein das ist zart,
Ir euglein die seind hübsch und fein;
wenn ich an sie gedenke,
so wolt ich bei ir sein.

Mich dunkt in all mein sinnen
und wann ich bei ir bin:
sie sei ein keiserinne,
kein lieber ich nimmer gewin.
Hat mir mein junges herz erfreut,
wann ich an sie gedenke,
verschwunden ist all mein leid.

Solt mich meins bulen erwegen,
als oft ein ander tut,
solt fürn ein frölichs leben,
darzu ein leichten mut?
Das kan und mag doch nit gesein.
Gesegn dich got im herzen!
es muß gescheiden sein.