Northeimer Datenbank Deutsches Gedicht

Mailust und Abschied von

vgl. Abschiedszeichen (Wunderhorn)

Mailust und Abschied

Wie schön blüt uns der meie,
der sommer fert dahin!
Mir ist ein schönes junkfrewlein
gefallen in meinen sin.
Oft sehen tut den augen wol;
wenn ich an sie gedenke,
mein herz ist freuden vol.

Wenn ich des nachts tu schlafen,
so kumt mir mein feins lieb für;
und wenn ich tun erwachen,
so ist es alles — nichts.
Erst hebt sich an ein große klag,
wenn ich von ir muß scheiden,
das macht mich alt und graw.

Ein blümlein auf der heiden,
mit namen Wolgemut,
laß uns der lieb gott wachsen,
ist uns für trawren gut.
?Vergiß mein nicht" stet auch dabei;
grüß mir si gott im herzen,
die mir die liebste sei.

Wolt gott, ich solt ir wünschen
zwo rosen auf einem zweig!
Hilf gott, ich solt sie wecken
mit meinem stolzen leib!
Das wär meins herzen große freud,
tu mich, herzlieb, nun trösten
mit einem freundlichen wort!

Der uns diß liedlein gesungen
von newen gedichtet hat:
Dat hat getan ein freier knab.
Gott geb uns das und noch vil mer,
denn er ist innen worden:
was scheiden von der liebe tut.