Northeimer Datenbank Deutsches Gedicht

Freundschaft von

Freundschaft

Jung war ich einst,
Einsam zog ich,
Da ward wirr mein Weg;
Glücklich war ich,
Als den Begleiter ich fand:
Den Menschen freut der Mensch.

Die Föhre dorrt,
Steht sie frei auf dem Berg,
Nicht schützt sie Borke noch Blatt;
So ists mit dem Mann,
Den alle meiden,
Was lebt er länger noch?

Brand brennt vom Brande,
Bis entbrannt er ist,
Feuer vom Feuer lebt:
Durch Mannes Rede
Wird ratklug der Mann,
Doch unklug durch Abschließung.

Seinem Freunde
Soll ein Freund man sein
Und Gaben vergelten auch:
Lachen für Lachen
Sollen die Leute nehmen
Und Täuschung für Trug.

Seinem Freunde
Soll ein Freund man sein
Und des Freundes Freunde auch;
Doch nehmen soll man
Sich nie zum Freund
Seines Freundes Freund.

Wenn du einen Freund hast,
Dem du fest vertraust
Und von dem du gutes begehrst,
Tausch mit ihm Gedanken
Und bedenk ihn mit Gaben,
Suche oft ihn auf!

Aus der Edda