Northeimer Datenbank Deutsches Gedicht

Hastingsfeld von

Hastingsfeld

14. Oktober 1066
(Nach dem Altenglischen)

König Harald, Boten sandt' er aus
An die Küste, die sollten erkunden,
Ob Herzog Wilhelm und sein Heer
Den Weg übers Meer gefunden.

Und am dritten Tag, der Nebel lag
Übers Land in breiten Schichten,
Da waren die Boten wieder daheim,
Und der eine begann zu berichten:

»Die Klippe von Hastings, wohl war sie steil,
Und das Meer, wohl hat es gebrandet,
Vergebens die Brandung, vergebens der Stein,
Herzog Wilhelm ist gelandet.

Seine Rüstung ist wie von Silber und Gold,
Sein Antlitz ist wie von Eisen,
Aber sein Heer, dem schlottern die Knie,
Das wird fliehn und den Rücken uns weisen.
Seine Ritter sehn hohl und hager drein,
Wie in mönchisch Grübeln verloren,
Sie haben nicht Kinn- und nicht Backenbart,
Sind alle geschabt und geschoren.1

Im ganzen Normannenlager gibt's
Nur Beten und Messesingen,
Das ganze Heer ist ein Priesterheer,
Und du wirst es im Spiele bezwingen.«

König Harald aber, er sah vor sich hin,
In finstres Sinnen verloren,
Dann sprach er: »Ich weiß, sie fechten wie wir,
Obwohl sie geschabt und geschoren.«