Northeimer Datenbank Deutsches Gedicht

Zur Maienzeit von

Zur Maienzeit

Wie ich dich liebe,
leuchtender Tag;
wie ich dich suchte
am Wald und im Hag!

Herz mich und küß mich,
waldlenziger Duft,
trage zum Himmel
mich, morgige Luft.

Lag ich in Banden,
umdämmert und bang —
immer doch träumt ich
von deinem Gesang.

Träumte dem Aar gleich
im Horste verschneit;
eng war das Herz mir —
nun wird es so weit.

Reich mir den Becher,
waldefeuumkränzt,
laß mich ein Aug schaun,
das gläubig mir glänzt.

Truz ich im Winter
viel Sorge und Leid —
du zeig den Pfad mir
in fröhliche Zeit.

Rauschend vom Berge
stürzt nieder die Flut,
weltweit und einsam
singt Lerche sich Mut.

Bald such ich aufwärts
die Liebe, bald hier —
Sonne, dir folg ich,
du führst mich zu ihr.