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Gretchen im Winde von

Gretchen im Winde

Ein Mädchen süß, ein Mädchen flink,
dabei den Namen Gretchen,
als Schmetterling, den keiner fing,
fliegt sie durch Busch und Beetchen.

Die Veilchenaugen minniglich
und hell wie Hochzeitskerzen,
im Köpfchen einen Sonnenstich,
Aprilwind tief im Herzen.

Die Stimme silbern und gesund
wie eines Glöckleins Klingeln,
ein Lächeln um den Kirschenmund
wie eines Schlängleins Ringeln.

In ihrem Garten vor dem Tor
in Treuen rauscht die Linde,
auf allen Beeten blühn davor
Vergißmeinicht im Winde,

doch wenn man ihr von Liebe spricht,
pflückt lachend unterdessen
Vergißmeinnicht das Schelmgesicht;
mich hat sie längst vergessen. —