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Kranzgedicht von

Kranzgedicht

Als ich zu diesem Jungfernkranz
die Blumen dir gebrochen,
da haben die kleinen Blüten zu mir
ein Wörtlein jede gesprochen.

Sie haben mir ihr Leid geklagt,
daß nun zu Ende ihr Leben,
daß sie zu andrer Lust und Freud
ihr Dasein müßten geben.

Doch eine Blüte, die schwieg still,
tät nicht mit den Schwestern klagen;
und was ihr Schweigen mir verriet,
will ich dir, Freundin, sagen:

Das Leben, das uns Blumen ward,
ist ein kurzes Duften und Sonnen,
wir hauchen es aus und sind nicht mehr,
noch ehe der Tanz recht begonnen.

Doch schmücken wir eine Menschenbraut,
war nicht umsonst das Leben,
da unser Duften bei ihrem Glück
eine Schwester darf umschweben.