Northeimer Datenbank Deutsches Gedicht

Der König auf dem Turme von

Der König auf dem Turme

Da liegen sie alle, die grauen Höhn,
die dunkeln Täler in milder Ruh;
der Schlummer waltet, die Lüfte wehn
keinen Laut der Klage mir zu.

Für alle hab ich gesorgt und gestrebt,
mit Sorgen trank ich den funkelnden Wein;
die Nacht ist gekommen, der Himmel belebt,
meine Seele will ich erfreun.

O du goldne Schrift durch den Sterneraum,
zu dir ja schau ich liebend empor:
ihr Wunderklänge, vernommen kaum,
wie besäuselt ihr sehnlich mein Ohr!

Mein Haar ist ergraut, mein Auge getrübt,
die Siegeswaffen hängen im Saal,
habe Recht gesprochen und Recht geübt:
wann darf ich rasten einmal?

O selige Rast, wie verlang ich dein!
O herrliche Nacht, wie säumst du so lang,
da ich schaue der Sterne lichteren Schein
und höre volleren Klang!