Northeimer Datenbank Deutsches Gedicht

An Herrn Stephan Mai von

An Herrn Stephan Mai als ich ihn durch Übergabe des Cahier-Schlüssel zu meinem Stellvertreter hienieden ernannte

Ich, der ich hier so manchen Dienstag, mitten
In einem Aktenhauf zum Kreuz verdammt,
Für das gesamte Zollbüro gelitten,
Ich übertrage dir mein Mittleramt.

Nimm hin den Schlüssel, hochbegabtes Wesen,
Nimm ihn von meiner unnennbaren Huld,
Mit ihm die Kraft zu binden und zu lösen,
Womöglich auch zu beidem die Geduld!

Und was du binden wirst, das sei verstoßen,
Fern von dem Strahl des Himmelslichts,
In jenen schwarzen Schlund verschlossen,
Bis zu dem Tage des Gerichts.

Doch was du freigibst, wandre fröhlich
Durchs Fegefeur der Korrektur
Und ruh als leichtes Kurrens selig
Im Himmel der Registratur.