Northeimer Datenbank Deutsches Gedicht

An Kaiser Ferdinand bei Darbringung eines Teppiches durch die Frauen Wiens von

An Kaiser Ferdinand bei Darbringung eines Teppiches durch die Frauen Wiens

Erst wenn der Mensch aus diesem Leben scheidet,
Wird ihm gerecht das Urteil dieser Welt;
Nicht angefeindet mehr und nicht beneidet,
Steht fest die Hand, die unsre Wage hält.

Du bist, o Herr, schon vor der Zeit geschieden,
Hörst lebend noch der Nachwelt Richterspruch,
Die dich den Gütgen nennt, dein Werk den Frieden,
Dich einschreibt in der Zukunft goldnes Buch.

Zu fern gestellt, das Bittre zu versüßen,
Das Kopf und Brust denn etwa doch beschleicht,
Laß uns den Teppich breiten dir zu Füßen,
Auf daß dein Schritt, nach so viel schweren, leicht.

Wien am 19. April 1849