Northeimer Datenbank Deutsches Gedicht

Auff eines vornehmen Juristen Grab-Stein von

Auff eines vornehmen Juristen Grab-Stein

Der Ich durch all Gesetz vnnd alle Recht kont brechen;
Dem an Verstand vnd Kunst kaum jemand gleiche war;
Der Ich die Dunckelheit der sache machte klar;
Hab vber mich den Todt must lassen Vrtheil sprechen/
Den Todt/ an dem mich nicht mein grosse Macht könt rächen!
Nichts galt mein hoher Sinn; nichts galt der Worte schar.
Mein wolberedte Zung erstumbte gantz vnd gar/
Als mich der scharffe Pfeil des Richters thät erstechen.
Jtzt sind mein Augen zu/ dehn vor nichts mochte sein
Verborgen/ vñ mich selbst verbirgt ein kurtzer Stein.
Was hilfft nun daß Ich vor kondt rathen allen Sachen
Daß Ich vor keinem Part noch Throne mich entsetzt/
Daß mir kein Handel je ward allzuschwer geschätzt/
Da ich nicht möcht den Streit des Todes richtig machen.