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Uber des berühmtesten Herrn von Lohensteins Absterben von

Uber des berühmtesten Herrn von Lohensteins Absterben

Ach Kleinod dieser Stad! Ach theurer Lohenstein!
Verzeih, wofern' ich dich mit dieser Pflicht versehre,
Und dein berühmtes Grab mit frecher Hand entehre,
Verzeih! Der heisse Schmertz reist alle Gräntzen ein.
Ich weiß es allzuwol, daß meine schwache Flöte
Vor deinen hohen Ruhm durchaus zu niedrig klingt;
Du foderst einen Thon der prächtigen Trompete,
Der durch die weite Welt biß an die Wolcken dringt;
Doch weil dein sanfter Geist in dieser Sterbligkeit
Mein ungereimtes Thun nicht übel angesehen,
So wird er izt vielleicht, in jener Sicherheit,
Den lezten Liebes-Dienst nicht tadeln noch verschmähen.

Doch was bemüh ich mich umb Anmutt, Schmuck und Pracht?
Sie sind mit dir zugleich in jene Welt geflogen;
Du hast der Poesi den Purpur angezogen,
Und ihr bekränztes Haupt mit neuem Glantz bedacht.
Izt legt sie alles hier, bey deinem Grabe, nieder.
Sie mag sich ferner nicht mit Thon und Klang bemühn,
Sie haßt das Seiten-Spiel und die geschickten Lieder;
Ihr edler Lorber-Krantz sol endlich gar verblühn.
Weil alle Schwanen fort, so mag ihr reines Ohr
Kein nichtiges Geschrey der leichten Fincken hören,
Sie fühlt es allzuwol, was sie mit dir verlohr,
Und heist uns ihren Schmertz durch kein Geschwätze stören.

Ach theurer Lohenstein! diß thut die Poesi:
Wie wird die Themis nicht bey deiner Baare klagen,
Die Themis, die du stets in deiner Brust getragen,
Die Themis deine Lust bey überhäufter Müh.
Ich weiß: Sie kennt sich kaum vor Schmertzen, Angst und Kummer,
Sie wirft die Wage weg, und bricht das Schwerd entzwey;
Sie sinckt vor Traurigkeit in einen tiefen Schlummer,
Und unterscheidet kaum was recht und unrecht sey.
Doch muntert sie sich auf, und schreyt die gantze Welt
Mit diesen Worten an: Paart Wissen und Gewissen,
Und lernt izt, da mein Glantz, mein Lohenstein, verfällt,
Daß auch die Rechte selbst dem Tode weichen müssen.

Indem die Themis noch umb ihren Prister traurt,
So kommt Budorgis selbst gantz in das Leid gekleidet,
Und klagt, fast ausser sich, daß sie der Himmel neidet,
Weil ihr gewünschter Trost so kurtze Zeit getaurt.
Sie mißt den klugen Rath, und ruft die andern Pfeiler,
Auf die sie sich noch stüzt, zu wahren Zeugen an;
Sie unterdrückt das Gift der falschen Läster-Mäuler,
Weil weder Tod noch Hohn der Tugend schaden kan.
Sie webt mit eigner Hand sein schönstes Ehren-Kleid,
Sie wünscht, daß seiner Treu viel andre folgen mögen,
Und setzet seinen Witz und seine Redligkeit
Dem Ruhm der Fabier und Tullier entgegen.

Die Feder fällt mir hin, ich mag nicht weiter gehn;
Genung, daß Schlesien den theuren Mann beweinet;
Und nicht nur Schlesien, gantz Deutschland, wie es scheinet,
Muß über diesem Fall' in heissen Thränen stehn.
Die Nacht der Barbarey denckt alles schwartz zu färben
Und nimmt fast täglich zu: Die Sternen schiessen fort;
Die Tholen wachsen auf, die Schwanen müssen sterben,
Und die bestürmte Kunst hat keinen sichern Port.
Wofern der Himmel sich nicht in das Mittel schlägt,
Und, was noch übrig ist, durch seine Huld behüttet,
So wird die Wissenschaft in Asch' und Graus gelegt,
Und die gelehrte Welt aufs euserste zerrüttet.

Wie wird mir? Eben izt, indem ich schlüssen wil,
Indem ich meinen Lauf gleich nach dem Hafen richte,
So tritt der Pindus selbst mir völlig ins Gesichte,
Und zeigt auf jener Höh ein seltnes Wunder-Spiel.
Ich seh den frohen Geist in reiner Seide prangen,
Er trägt in seiner Hand ein frisches Lorber-Blat,
Und seine Scheitel ist mit einem Schmuck behangen,
Den weder Malabar noch Gusaratte hat.
Ich schaue nechst bey ihm das hohe Traur-Spiel stehn,
Es heist den Aeschylus die Segel vor ihm streichen;
Er sol dem Seneca gleich an der Seite gehn,
Und kaum dem Sophocles, als seinem Fürsten, weichen.

Nicht weit von dannen ist Arminius bemüht
Mit einem Bürger-Krantz die Feder zu bekrönen,
Durch die ihm, trotz der Zeit und trotz der Römer Hönen,
Ein unvergänglichs Lob auch in der Asche blüht.
Ihm folgt der Marobod und andre deutsche Helden,
Die dort ein Tacitus nur obenhin berührt;
Sie wollen seinen Preiß der späten Nach-Welt melden,
Dieweil er ihren Ruhm fast Himmel-an geführt.
Und ob des Todes Grimm gleich den geschickten Schluß
Des Wunder-vollen Wercks zu zeitig unternommen,
So folgt es gleichwol nicht, daß es verschwinden muß;
Man hält viel Perlen hoch, die dennoch unvollkommen.

Ich schaue Schlesien in angenehmer Pracht,
Es hat das edle Haupt der Deutschen Libligkeiten
Den Opitz und nechst ihm viel Tichter an der Seiten;
Die sind auf Lohensteins Verewigung bedacht.
Eie ieder wünschet ihn nach Würden zu bedienen,
Man heist die kleine Loh dem Bober gleiche gehn,
Und umb den steilen Rand viel Lorber-Bäume grünen,
Es sol der Musen-Qvell ihr zu Gebote stehn.
Man führt ein Ehren-Mahl von Alabaster auf,
Man gräbt sein Conterfeit in Diamantne Schilde,
Der grosse Guttalus hemmt selber seinen Lauf,
Und opfert Nard' und Wein bey diesem Tugend-Bilde.

Dem gantzen Helicon gefällt sein Wappen wol.
Man wil den Adler hier zu einem Phönix machen,
Der unvergänglich traurt. Man nimmt den edlen Drachen
Auf Pindus Höhen an, die er bewachen soll.
Man lobt die süsse Frucht der lieblichen Granaten,
Die göldnen Aepfel sind dargegen nur ein Traum.
Der schnellen Pfeile Flug ist nett und gut gerathen,
Der Pfeil des Herculis macht ihnen willig Raum;
Und, wo ich recht gehört, so ist des Phöbus Schluß,
Den das Gerüchte dort, in den saphirnen Zimmern
Der grauen Ewigkeit, auf Jaspis ätzen muß:
Drey Sternen sollen mehr als vormals sieben schimmern.

Ist diß der Tugend-Lohn, berühmter Lohenstein,
Was dürffen wir dein Grab mit eitlen Zähren nätzen?
Und dich vor abgelebt, und vor vermodert schätzen?
Was dürffen wir mit Ach und Winseln mühsam seyn?
Wir schänden deinen Ruhm, mir kräncken deinen Nahmen,
Wir kennen weder dich noch deine Trefligkeit.
Wir weinen, doch umsonst, und streuen leeren Saamen
Auf dürre Felder aus; Wir fehlen allzuweit;
Denn was des Himmels Spruch des Lebens würdig hält,
Kan nimmermehr den Tod und die Verwesung fühlen,
Es lebt, indem er stirbt, es steht, indem es fällt,
Und läst der Parzen Hand blos in den Schalen wühlen.