Northeimer Datenbank Deutsches Gedicht

Das Tugend-ersprießliche Unglück von

Das Tugend-ersprießliche Unglück

Der blaue Himmel gibt nicht fruchtbar-sanfften Regen.
Es treuffet keinen Thau der strahlende Mittag.
Der schöne Demant auch zu nehren nicht vermag.
man muß / will man zum Port / das Wasser ja bewegen.
Die Traid-bekleidten Berg / nit Gold und Silber hegen.
So kan die Tugend auch nit blühen sonder Plag.
in gutem Glück sie grob ohn' allen Glanz da lag /
in Müh und Arbeit wolt der Höchst den Segen legen.
im sauren Meer / und nicht im süssen wachs Palast /
die theuren Perlein seyn. Also / in vollen Freuden
wird keine Himmels Zier / kein Tugend / nicht gefasst:
Ihr Balsam-Geist riecht nur im Schmerz-geritzten Leiden.
Die Sonn müst / solt ein Land sie stets bescheinen / stehn.
wann keine Nohtnacht wär / würd kein Lust-Sonn aufgehn.