Northeimer Datenbank Deutsches Gedicht

Auf das widerwärtige Unglück von

Auf das widerwärtige Unglück

1.
Ach du feindseeliges Unglück!
bliebstu doch nur ein mal zu rück!
wilst unaufhörlich mich begleiten?
ich reiß hinab / ich zieh' heraus /
so verunlustigst meinen Lauff /
bist mir verdrüßlich auf der Seiten.
Ach backe dich / du nimmer-froh /
quäl mich nicht alleweil also!

2.
Geschworne Feindin meiner Ruh /
Gesundheit / Ehr' und Freud dazu!
du Feindseeliger Tugend-Schatten!
du Höll-verfluchtes Weißheit-Gifft /
das tausend Widerstand anstifft!
wie kan sich Liecht mit Dunklen gatten?
die Tugend ist ein Demant-Stein /
muß Unglück-schwärz umschmelzet seyn,

3.
Verdunklerin der hellen Sonn /
verleiterin der Freud und Wonn /
die keusche Weißheit pflegt zu geben!
du Gall im Zucker-süssen Safft /
den schöne Wissen schafft verschafft!
du Tod dem Tugend-Helden-Leben!
und wär dirs noch ein Höllen-Pein /
muß Tugend doch geliebet seyn!

4.
Der schönen Jugend böse Pest /
die Thränen / Mark und Blut auspresst!
du Schwindsucht aller Schönheit Gaben!
du Fieber stäter Furcht und Angst!
du Thier / daß du mich nicht vorlangst
hast in das todten-Reich begraben?
du Seuffz-und Thränen-Wassersucht!
ach nimm doch nur einmal die Flucht!

5.
Bin ich denn dein erwählter Zweck /
daß du so gar nit wilthinwegk?
hast zu dem Quäl-Ziel mich erkohren?
so sey dir offner Krieg und Streit
und Muhts-Unüberwindlichkeit!
bey mir hinfüro stäts geschworen.
die Tugend / wann ich recht betracht /
im Unglück sich recht glänzend macht.

6.
Kein Hercules ist / der nicht schlägt
der Hydren Köpff' / und sie erlogt.
die Unthier seyn darum auf Erden /
daß Tugend / Stärk und Dapfferkeit /
nach Sieg-geendtem Helden-Streit /
in aller Welt gepriesen werden.
Also verhoff' ich / mit der weil /
von dir / Unglück / ein Ehren-Seul.