Northeimer Datenbank Deutsches Gedicht

Auf eben dasselbe von

Auf eben dasselbe

1.
Mein Unglück weiß es wol /
daß ich es würd verklagen:
drum läst es mich nichts sagen /
daß mans nicht wissen soll.
Es wehrt auf alle Weise
die hohe Feder-Reise:
jedoch gelingts ihm nicht;
Beständigkeit durchbricht /

2.
Will in der Unglücks-Klag
mich nicht gar lang auf halten /
den Himmel lassen walten:
er weiß den Endschaffts-Tag.
Es muß / es muß vergehen /
solts noch so lang anstehen.
Es ist der Endlichkeit /
wie alles / unterbreit.

3.
Ob ich schon seufz' und wein'
in dessen in den Banden /
so wird es doch zu schanden
noch über meiner Pein:
in dem es muß empfinden
der Tugend überwinden!
und sehen seine Macht
von selber ganz veracht.

4.
Kanst / böses Unglück / nichts
als Kunst und Tugend plagen?
must endlich doch verzagen
an leschung ihres Liechts!
Sie sitzen dir zu ferne /
im Schos der guten Sterne;
verlachen deinen Fleiß /
im sichern Himmel Kreiß.

5.
Ach Tugend halt dich wol!
nach langem Streit und Streben /
wird dich der Höchst' erheben /
daß dichs nit reuen soll.
Zwar darff' es kein anfrischen:
du würdest eh verflischen
in deiner Himmel-Brunst /
als achten ihren Dunst.

6.
Es wird noch eine Zeit
aus der Versehung kommen /
der Eitelkeit entnommen /
in der mit voller Freud
die Tugend selbst wird richten /
was sie hier wolt vernichten.
Mit Füssen wird sie gehn
auf ihrem Widerstehn.

7.
Verharre nur mein Herz /
bey ihren edlen Fahnen.
laß dich mit ihr verbannen
zu aller Noht und Schmerz /
Der Lorbeer wird sich schwingen /
dir Glanz und Krantz zubringen
üm dein bedörntes Haubt /
dem Unglück ganz entraubt.