Northeimer Datenbank Deutsches Gedicht

Frülings-Lied von

Frülings-Lied

1.
Schönester Früling / Lustliebliches Wesen /
König der Zeiten vom Höchsten erlesen /
Mahler der neulich-beschneyeten Wiesen /
Haucher des holden Süß-Blumichten Biesen!

2.
Neue Besafftung die Bäume nun kriegen /
alle zu grünen und blühen sich fügen /
Höchster! wollst Geistes-Safft mildlich mir geben /
grünend und blühend in Tugend zu leben.

3.
Offtmals die Blüten den Blättern vorkommen.
Eh man noch einige Hoffnung genommen /
blühet offt Gottes Gnad völlig in Werken.
Alles gelinget / was dieser will stärken.

4.
Rosen und Lilien / bunte Tulpanen /
schwingen des Frülings Lustsiegende Fahnen.
Dieses / was pflichtig man ihnen muß schweren /
zielet dem Höchsten in ihnen zu ehren.

5.
Jedliches Blätlein der Wälder und Wiesen
zeiget uns / wie sich bespieglet in diesen
Göttlicher Weißheit vielständiges Wesen:
überall können ihr' Allmacht wir lesen.