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An die Doris, welcher er seine Liebe bey Gelegenheit eines Traumes entdeckte von

An die Doris, welcher er seine Liebe bey Gelegenheit eines Traumes entdeckte

Auf der blumenvollen Heide,
An der schattenreichen Bach
Sann ich jezt der Augenweide
Des vergangnen Traumes nach,
Der mich darum drückt und quält,
Weil mir nunmehr wachend fehlt,
Was mir deine Lust vermehlt.

O was waren das vor Glieder!
O welch schöner Selbstbetrug
Riß mich vor Entzückung nieder!
O da küst ich kaum genug,
Bis die Morgenröthe kam
Und aus Misgunst oder Scham
Bildnüß, Lust und Schlummer nahm.

Unaussprechliches Ergözen,
Soll ich dich nicht wiedersehn?
Nein, nach solchen theuren Schäzen
Darf ich wohl nicht wachend flehn.
Sezt dein Schatten meiner Ruh,
Schönste Doris, schon so zu,
Dencke, was dein Antliz thu.

Deiner Augen scharfes Blicken
Zeigt mir einen hohen Geist,
Der zum Herrschen und Entzücken
Gleiche Kraft und Anmuth weist;
Dieses ward ich mit Gefahr
Meiner Freyheit nechst gewahr,
Als dein Strahl die Glut gebahr.

Doris, halt es nicht vor Scherzen;
Ich verachte Spott und Neid,
Hätt ich auch noch tausend Herzen,
Blieben alle dir geweiht.
Trag ich einen Tropfen Blut,
Welcher dir kein Opfer thut,
So verzehr ihn Gift und Glut.

Die Vergnügung wahrer Liebe
Ist nicht eben so gemein,
Der Gemüther gleiche Triebe
Müßen ihre Quellen seyn;
Prüfe mich und sey vergnügt,
Daß ein Herz, so du besiegt,
Auch mit Ehrfurcht vor dir liegt.

Von der Wiege bis zur Baare
Ist gar oft ein kurzer Schritt.
Doris, nimm die besten Jahre
Und die Lust der Jugend mit,
Eh der Lippen May verblüht
Und die Zeit, so plözlich flieht,
Farbe, Muth und Lust entzieht.

Kommt mein Ziel an Lebensschrancken,
Wüntsch ich von der Phantasie,
Daß dein Bildnüß in Gedancken
Mich der Welt vergnügt entzieh;
Dieses wüntsch ich und dabey,
Daß der Spruch der Grabschrift sey:
Klug, verschwiegen und getreu.