Northeimer Datenbank Deutsches Gedicht

Als er im Lieben vorsichtig seyn wollte von

Als er im Lieben vorsichtig seyn wollte

Glaubt es nicht, ihr falschen Blicke,
Daß ihr mich ins Neze zieht,
Weil mein Herz auch goldne Stricke
Und gepuzte Brücken flieht.
Farbe kan den Geist wohl stärcken,
Und der Mienen Schmeicheley
Dient wohl oft zu Satans Wercken,
Aber nicht zu wahrer Treu.

O wie manchem kömmt der Glaube
Mit der Nachreu in die Hand,
Wenn er bey verbuhltem Raube
Kraft und Kosten aufgewand.
Wie das Morgenroth dem Tage
Wind und Regen prophezeit,
Also kommt ein Haus voll Plage
Durch ein Kind der Eitelkeit.

Blumen stehn in ihrem Kleide
Auf den Feldern noch so schön
Als auf Leinwand oder Seide,
Wo sie Strich und Kunst erhöhn;
Mir gefällt bey netten Sachen
Stets die Einfalt der Natur,
Und wo fremde Wangen lachen,
Sieht mein Eckel gleich die Spur.

Überhaupt blüht mein Vergnügen
Noch bis jezo ganz allein;
Soll was Süßes bey mir liegen,
Muß es nur die Freyheit seyn,
Weil mein Geist an ihrer Seite
Lauter Himmelsträume spürt,
Ob gleich Belgrads reiche Beute
Eben nicht mein Lager ziert.

Zwar ich will es nicht verschwören,
Weil die Liebe, wie man sagt,
Die, so ihr den Rücken kehren,
Öfters unverhoft erjagt;
Ich befind auch mir im Herzen
Einen Zunder, der leicht fängt,
Wenn der schönen Kinder Scherzen
Lust und Glut ins Auge senckt.

So weit kann ich mich vermeßen,
Daß mich wohl kein Kind berückt,
Deßen Anmuth und Caressen
Nicht der Tugend Wohlstand schmückt;
Find ich Wiz und Treu beysammen
Und Vernunft und Zucht vermehlt,
O so will ich gern die Flammen,
Deren Reizung zärtlich quält.