Northeimer Datenbank Deutsches Gedicht

Flieht nur, ihr verwaisten Küße von

Flieht nur, ihr verwaisten Küße,
Zu der Schönsten Lippen hin,
Sagt ihr, daß ich fast nicht wiße,
Was ich mache, wo ich bin;
Seit ich ihren Mund entbehre,
Mangelt mir des Lebens Lust,
Und des Abschieds lezte Zähre
Würckt noch Seufzer aus der Brust.

Ach, mein Engel, wenn ich dencke,
Daß du mir dein Herz verliehn,
O so läst mir dies Geschencke
Endlich neue Rosen blühn.
Ich verachte Neid und Tücke
Derer, die mich schon verschmähn,
In der Hofnung, einst mein Glücke
Blos auf deiner Schoos zu sehn.

Dein Verstand und artig Wesen
Und die feuerreiche Brust,
Die ich mir zur Ruh erlesen,
Macht mir alles Creuz zur Lust.
Glaube, Kind, ich geh auf Erden
Schon durch dich in Himmel ein,
Und du solt auch in Beschwerden
Meines Lebens Stärckung seyn.

Las die Misgunst immer höhnen,
Denn der Seegen aus der Höh
Wird uns ihr zu Troze crönen,
Daß ihr Fluch zu Schanden geh.
Bleib beständig und verschwiegen
Und verbanne Gram und Leid;
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