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Als sie sich so kaltsinnig gegen ihn bezeigte von

Als sie sich so kaltsinnig gegen ihn bezeigte

Ich weis nicht, was dir ahnt, du kalt- und loses Kind,
Daß meine Lieb und Treu so gar nicht fähig sind,
Die Güte deiner Brust auch in geringen Sachen
Mir zur Ergözligkeit recht ofenbahr zu machen.
Du sagest alles zu und hältst doch keinmahl Wort;
Wir gehn mit Lust zu dir und ziehn so traurig fort,
Als ob dein Herz noch nichts von meiner Liebe wüste
Und ich erst vierzehn Jahr wie Jacob dienen müste.
Ich weis nicht, welcher Fall dir das Gehirn verrückt
Und deinen muntern Geist in Eigensinn erstickt.
Bald geh ich mit der Furcht im Zimmer auf und nieder,
Als kämen jezt bey dir viel alte Funcken wieder,
Womit ein falsches M., das lezt auch außen blieb,
Den ersten Liebeszug dir in das Herze schrieb.
Bald aber mach ich mir von neuem Trostgedancken,
Als würd ich nur probiert und durch verstelltes Wancken
In meiner Treu geübt; bald fällt was Ärgers ein;
Weil meiner Feind jezt viel und zwar auch große seyn,
Die, da ich nie geschont, die Warheit frey zu sagen,
Mich stets auch überall mit Lästerworten schlagen,
So riße mir vielleicht ihr grob- und böser Sinn
Die Früchte deiner Gunst noch in den Blüthen hin
Und dürfte mir, an statt dein Herze zuzuneigen,
Den Eckel gegen mich in deiner Seele zeugen.
Ich weis wohl, daß dein Geist, du halb verwirrtes Kind,
Fast all' und jedes Mahl den besten Grund ersinnt,
Wenn du beschuldigt wirst, die Ohnmacht vorzuschüzen;
Ich stell es auch dahin, doch ob es dir auch nüzen
Und immer gelten wird, das lehrt einmahl die Zeit.
Ich kan zum wenigsten mit meiner Redligkeit,
Die du so schlecht erkennst, dem Himmel wohlgefallen,
Der meine Fehler trägt und mir auch noch bey allen,
Die Kunst und Ehrligkeit und Wißenschaft ergözt,
Den angenehmsten Lohn der besten Freundschaft sezt,
Und wird dich einer so wie Günther lieben können,
So will ich deiner Gunst mich gleich nicht würdig nennen.