Northeimer Datenbank Deutsches Gedicht

Als er von seiner Phillis Abschied nahm von

Als er von seiner Phillis Abschied nahm

Wiltu mir dein Angedencken
Nur noch mit zur Reise schencken,
Geh ich auf ein schweres Wort
Noch einmahl so freudig fort.

Solche Wunden müßen schmerzen,
Wenn die Qual zerrißner Herzen
Mit der lezten guten Nacht
Aus den Küßen Seufzer macht.

Daß ich dich ins Blut geschrieben,
Das bezeugt mein treues Lieben,
Deßen angenehmer List
Deine Freyheit dienstbahr ist.

Deiner Augen scharfe Blicke
Sind die unsichtbahren Stricke,
Die du mir ans Herz gelegt,
Das mir jezt vor Wehmuth schlägt.

Zung und Sprache stockt im Munde,
Da des Abschieds schwere Stunde
Wie ein Schlag von Donner klingt
Und mich mit Verdruß umringt.

Ach, was werden meine Sinnen
Vor Gefahr und Angst gewinnen,
Wenn mich dein entfernter Geist
Nur mit bloßen Träumen speist.

Unterdeßen muß ich leiden,
Was mir Glück und Zeit bescheiden;
Dieser Schmerzen und Verdruß
Hat den ganzen Trost: Ich muß.

Ja, ich muß, doch wider Willen;
Halt dich also nur im Stillen
Und erwarthe, bis ein Tag
Unsre Liebe crönen mag.

Bis mich Sarg und Staub umfangen,
Bleibt nur Phillis mein Verlangen,
Und die Dauer meiner Treu
Schläft mir noch im Grabe bey.

Läst auch du dich nicht verführen,
Soll mich diese Grabschrift zieren:
Dieses hier verscharrte Blut
Hegt noch in der Asche Glut.