Northeimer Datenbank Deutsches Gedicht

Um Beständigkeit von

Um Beständigkeit

Liebster Heiland, dencke doch,
Satan kommt mit neuen Stricken.
Erstlich suchte mich sein Joch
Durch die Wollust zu berücken,
Da die List nichts richten kan,
Sezt er mit Verzweiflung an.

Mein Gewißen weckt er auf,
Läst sich alle Sünd erzehlen,
Will mich durch den Lebenslauf
Der begangnen Thorheit quälen
Und verstärckt mit Höll und Tod
Die Gefahr der lezten Noth.

Wein und schrey dich stumm und blind!
Also schwazt der Seelengeyer.
»Vor ein solch verruchtes Kind
Hält dein Gott seyn Blut zu theuer,
Buße, Beßrung und Gebeth
Sind jezt Ohnmacht und zu spät.

Doch, mein Heiland, dencke nicht,
Daß er unsre Liebe scheide;
Meines Glaubens Zuversicht
Trozt in deinem Unschuldskleide
Satan, Hölle, Tod und Welt,
Wenn auch alles bricht und fällt.

Wär auch meine Schuld so groß
Als des ganzen Volcks zusammen,
Sündigt ich auf Gnade los,
Hülf ich dich in Tod verdammen,
Ja begieng ich noch zur Zeit
Aller Laster Mögligkeit,

Dennoch suchten Ernst und Reu
Dich, du Vorspruch aller Armen,
Und versprächen sich dabey
Ein gewaltiges Erbarmen.
Dein Verdienst gilt ewiglich,
Und in dieses hüll ich mich.

Klopft die lezte Botschaft an,
Geh ich freudig von der Erden;
Wenn dein Wort nicht lügen kan,
Muß mir Heil und Himmel werden.
Kämen auch nur zween hinein,
Will ich doch der andre seyn.