Northeimer Datenbank Deutsches Gedicht

Über die Worte: Ich hatte viel Bekümmernüsz etc. von

Über die Worte: Ich hatte viel Bekümmernüsz etc.

Last mich doch nur in der Still
Ohne Licht und Zeugen weinen,
Weil der Himmel gar nicht will,
Daß mir beßre Tage scheinen;
Das Bekümmernüß der Brust
Wird durch Mitleid nicht zur Lust.

Meines Lebens schwerer Lauf
Ist vorwahr so kurz als böse;
Seh ich gleich mit Sehnsucht auf,
Ob und wer mich bald erlöse,
Seh ich gleichwohl allemahl
Vor den Stern den Donnerstrahl.

Nicht verzweifeln ist ein Werck
Derer, die noch mäßig tragen.
Hier ein Abgrund, dort ein Berg,
Abends Jammer, morgens Klagen,
Also wechselt bis ins Grab
Elend stets mit Elend ab.

Seufzer sind mein Zeitvertreib,
Brodt und Trunck mischt Asch und Thränen;
Creuz und Schwachheit biegt den Leib,
Und die Seele lechst mit Sehnen
Wie ein matt und durstig Reh
Nach der Hülf aus Salems Höh.

Freunde weichen wie das Laub,
Welches Wind und Herbst verjagen;
Feinde treten mich in Staub,
Neider spotten meiner Klagen,
Alles lacht und flieht von mir,
Nur die Unruh bleibet hier.

Ach wie schrey ich, ach wie viel
Werden mir der langen Nächte!
Sieht die Hofnung gar kein Ziel,
Daß sie sich erholen möchte?
Soll, o Gott, denn meine Pein
Wie dein Eifer ewig seyn?

Doch was überfällt mein Herz
Vor ein innerlicher Frieden?
O wo ist denn schon der Schmerz?
Bin ich etwan gar verschieden?
Oder giebt ein Traumgesicht
Mir nur Schatten vor das Licht?

Herr, verzeih der Ungedult,
Denn jezt seh ich deine Stärcke,
Und die große Vaterhuld
Wird an mir zum Wunderwercke
Und erquickt mich in der That
Wie der Thau die welcke Saat.

Sünden, greift mich grausam an,
Sorgen, kränckt mein schwach Gemüthe!
Ich verbeiße, was ich kan.
Feinde raset, Misgunst wüte!
Herr, mein Glauben und dein Wort
Stärckt mich hier und hält mich dort.