Northeimer Datenbank Deutsches Gedicht

Auf eben den vorigen Sonntag von

Auf eben den vorigen Sonntag

Evangel. Luc. XVII. v. 11.

Text

Der Herr gieng nach Jerusalem
Und sah in einem Flecken
Zehn Männer ohngefehr von fern
Voll Wust und Aussaz stecken.
Sie wurden seiner kaum gewahr,
So hört er schon die Klage:
Erbarm dich, Jesu, über uns
Und hilf uns von der Plage!

Er sprach: Geht hin und zeiget bald
Den Priestern eure Glieder!
Sie wurden in dem Hingehn rein.
Der eine kehrte wieder;
Er lobte Gott mit lauter Stimm,
Fiel Jesu zu den Füßen,
Und danckt ihm auf dem Angesicht
Mit ruhigem Gewißen.

Und dieser war ein Samarit.
Der Heiland sprach: Ich meine,
Es wären zehn gereiniget,
Wo sind denn nun die Neune?
Kehrt keiner als der Fremdling um,
Der Gott die Ehr ertheilet?
Nun, sprach er, steh du auf und geh,
Dein Glauben hat geheilet.


Lehre

Mein Heiland, der du als ein Arzt
Zu unserm Trost erschienen
Und allzeit froh und willig bist,
Der krancken Schaar zu dienen,
Ich bin, du weist es, von Natur
Voll Eiter, Stanck und Beulen,
Und niemand kan mich außer dir
Vom Sündenaussaz heilen.

Ich steh und schrey dich sehnlich an:
Las die Erbarmung hören
Und mach aus mir durch Hülf und Rath
Ein Werckzeug deiner Ehren.
Ich will durch Buß und Beßerung
Mich deinen Priestern zeigen,
Dein Wort, mein Glaube sind genug
Dem Schaden vorzubeugen.

Ich steh zwar jezt noch fern von dir,
Doch schick ich mein Gebethe,
Bis daß mein Wandel nach und nach
Dir immer näher trete.
Ich will schon hier vor deinen Ruhm
Mit guten Wercken sorgen,
Doch wirstu mir den rechten Danck
Bis in den Himmel borgen.

Da will ich nebst den Heiligen,
Die deinen Thron umringen,
Ein Lied von Ehre, Lob und Preis
In höherm Chore singen,
Da soll sich mein verklärtes Haupt
Vor deinem Antliz bücken
Und mein durchaus gereinigt Herz
An deiner Lieb erquicken.