Northeimer Datenbank Deutsches Gedicht

Am Feste des H. Aegidi von

Am Feste des H. Aegidi

Epist. Sap. V. v. 16. etc.

Text

Der Herr ist der Gerechten Lohn
Und läst sie ewig leben,
Er sorgt und will ein herrlich Reich
Und schöne Cronen geben.
Sein Schuz, sein Arm vertheidigt sie,
Ihr Harnisch ist sein Eifer,
Und jede Creatur verzehrt
Vor sie der Feinde Geifer.

Die Wafen der Gerechtigkeit
Sind strenger Zorn und Flammen.
Er zuckt sein Schwerd und zieht die Welt
Schon in ein Heer zusammen.
Er kommt und greift die Thoren an,
Es brüllen Meer und Wogen,
Und Bliz und Hagel schiest so schnell
Als Pfeile von den Bogen.

Das Waßer wütet wider die,
So den Gerechten plagen.
Der Bösen Menge lehnt sich auf,
Und sieh, sie sind geschlagen.
Der Nordwind legt sich wider sie
Und wird sie schnell vertreiben,
Wie Blätter, Stoppeln, Spreu und Sand
Vor keinem Würbel bleiben.


Lehre

Verzagt doch nun und nimmermehr,
Ihr fromm- und edlen Seelen!
Gedenckt der Feind, auf euren Fall
Viel Gruben auszuhöhlen,
So seht und lernt und glaubt, daß Gott
Bey eurer guten Sache
Und in der eußersten Gefahr
Der Noth ein Ende mache.

Der Böse steht und brüstet sich
Und macht auf allen Seiten
So wie ein stolzer Pharao
Ein Land voll schwerer Zeiten.
Ihr gebt in Unschuld ruhig nach
Und könt gleichwohl nichts richten,
Als daß die Spötter immer mehr
Auf neues Unglück dichten.

Gedult, die Rache wacht vor euch,
Und Gott im Himmel streitet.
Der, so da Roß und Mann gestürzt,
Hat euch auch Trost bereitet;
Und eben diesen Augenblick,
Da ihr am ärgsten zaget,
Wird dieser Feind, der trozt und schnaubt,
Mit Schröcken hingejaget.