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Am XVI. Sonntage nach Trinitatis von

Am XVI. Sonntage nach Trinitatis

Epistel Ephes. III. v. 13. etc.

Text

Ich, Paulus, bitte, werdet nicht
In meiner Trübsahl müde.
Dies Leiden, so vor euch geschieht,
Gebiehrt euch Ehr und Friede.
Derhalben beug ich meine Knie
Zum Vater in der Höhe,
In deßen Kindschaft ich mit euch
Durch Jesum Christum stehe.

Er las euch nach der Herrligkeit
Und seines Reichthums Gaben
Am innerlichen Menschen Kraft
Und Stärck und Wachsthum haben,
Damit sich Christus auch in euch
Im Glauben niederlaße
Und durch die Liebe mehr und mehr
So Grund als Wurzel faße,

Bis daß ihr mit den Heiligen
Begreifet und verstehet,
Wie weit die Tiefe, Läng und Höh
Und auch die Breite gehet,
Und bis ihr Christi Liebe kennt,
Der kein Erkäntnüß gleichet,
Auf daß ihr Gottes Gnade seht
Und ihre Füll erreichet.

Dem aber, welcher mehr vermag,
Als wir verstehn und bitten,
Durch jene Kraft, die in uns würckt
In Lehren, Wort und Sitten,
Dem sey in unsrer Kirche Ruhm
In Jesu Christi Nahmen
Von Ewigkeit zu Ewigkeit
In allen Zeiten Amen.


Lehre

Du Gott und Vater alles Lichts
Und aller Menschenkinder,
Durch deßen eingebohrnen Sohn
Wir ganz verlornen Sünder
Das Recht der Erbschaft deines Reichs
Von nun an mit genießen,
Las jezo deinen Gnadenstrahl
Auf unsre Demuth schießen.

Wir beugen Haupt und Herz und Knie
Und kommen, dich zu bitten,
Durch deßen Nahmen und Verdienst,
Der selbst vor uns gelidten.
Wir suchen kein vergänglich Gut
Noch irdisches Ergözen,
Das nur die Kinder dieser Welt
Vor ihren Himmel schäzen.

Der Reichthum deiner Herrligkeit
Ist gar nicht auszusprechen.
Wir bitten nur ein Theil davon,
Den alten Mensch zu schwächen,
Der mit Begierden böser Art
Sich in uns zeigt und reget
Und deßen Ungehorsam noch
Verbothne Früchte träget.

Ach, sende doch von deiner Kraft
Dem Glauben Kraft und Stärcke,
Damit man deine Wunder seh
Und ihr Geheimnüß mercke.
Gieb, daß sich Christus innerlich
Mit uns genau verbinde
Und unsre Seele den Geschmack
Der andern Welt empfinde.

Gelehrsamkeit und Wißenschaft
Begreifen tausend Sachen,
Woraus die Weisen dieser Welt
Nicht wenig Rühmens machen;
Doch wer die Liebe Christi kennt,
Der schilt ihr thöricht Prahlen,
Erwehlt den recht- und süßen Kern
Und läst der Welt die Schalen.

Zu der Erkäntnüß wirstu uns
In frommer Einfalt bringen,
Damit sich unser Herz und Wuntsch
Nach jenen Hügeln schwingen,
Auf welchen wir dich dermahleinst
Verklärter schauen sollen
Und durch ein seelig Jubellied
Ohn Ende preisen wollen.