Northeimer Datenbank Deutsches Gedicht

An eben dem vorigen Tage von

An eben dem vorigen Tage

Evangel. Matth. I. Cap.

Text und Lehre

Hier zeigt uns der Evangelist
In viel berühmten Nahmen
Den Stammbaum des vor langer Zeit
Versprochnen Weibessaamen.
Von Abraham auf Josephs Haupt
Sind zwey und vierzig Glieder,
Von diesen sind wir nach dem Fleisch
Mit Christo Freund und Brüder.

Hieraus erkennt man Davids Sohn,
Den Held aus Juda Stamme,
Damit man nicht die alte Schrift
Als ungewis verdamme.
Hier lernt man auch: Des Heilands Huld
Und demuthsvolle Güte
Verschmäht, wie Ruth und Rahab zeugt,
Kein heidnisches Geblüte.

Auch wird man deutlich überführt,
Was Gott den Menschen gönne
Und wie er, was er einmahl sagt,
Unmöglich brechen könne.
Sein Wort bleibt fest und muß bestehn,
Der Himmel und die Erden
Kan eher zu dem alten Nichts
Als er zum Lügner werden.

Die Väter seufzten, bald den Trost
Von Jacob zu erbauen;
Sie sahen den im Glauben an,
Den wir im Fleische schauen.
Sie seufzten scharf und sehnten sich,
Den Held hervorzubringen,
Den Gott von Ewigkeit bestimmt,
Den Tod vor uns zu zwingen.

So prahle nun, du stolze Welt,
Mit Ahnen, Stand und Schilden
Und las der Wappen Alterthum
Mit neuer Pracht vergülden!
Der Christen Adel rühmet sich,
Und zwar mit beßerm Rechte.
Warum? Der Herr der Herrligkeit
Gehört in ihr Geschlechte.

Mein Bruder, mein Immanuel,
Was kan dir doch mein Leben
Vor diese tief Erniedrigung
Zum Freundschaftsopfer geben?
Du bist mein Stamm, ich bin dein Zweig,
Gieb, daß ich Saft genieße
Und nicht als ein verdorrter Ast
Im Feuer lodern müße!