Northeimer Datenbank Deutsches Gedicht

Am Feste des H. Brunonis von

Am Feste des H. Brunonis

Epistel Sir. XXXI. v. 8-11.

Text

Wohl diesem, deßen mäßig Herz
Vor Gott bey Reichthum tauget
Und deßen Golddurst nicht den Schweiß
Verarmter Wittwen sauget.
Wo wird ein Mann hierin bewährt
Und ohne Fleck erfunden?
Es wird ihm von der Billigkeit
Ein Ehrenkranz gewunden.

Er konte manchem Schaden thun
Und hat es unterlaßen,
Das Unrecht schlich ihm heimlich nach,
Doch kont es ihn nicht faßen.
Drum muß sein Gut auch stets bestehn,
Da seiner Wohlthat Gaben
Den Nachruhm aller Heiligen
Zum Zeugnüß ewig haben.


Lehre

O unglücksvolle Fröhligkeit,
Die blos vom Geld entspringet
Und die ein niederträchtig Herz
Ans Joch des Geizes zwinget!
Wo dieser Satan wohnt und herrscht,
Da liegt der Fluch im Kasten
Und läst den stets gefangnen Geist
Von Unrecht niemahls rasten.

Begehrt man einen großen Schaz,
So gebe man den Armen,
Der Sünde steuret nichts so sehr
Als Lieben und Erbarmen.
Ein Scherf, der ihren Wuntsch verdient,
Geht über Gold und Cronen,
Worunter Furcht, Gefahr und Last
Bey Pracht und Hoheit wohnen.

Gewönn ein Mensch die ganze Welt,
Was hülf es sein Gewißen,
Wofern er sich nicht stets dabey
Der Mäßigkeit beflißen.
Ihr, die ihr glücklich wuchern wollt,
Ach, wuchert mit der Liebe,
Wo nicht, so wist, daß euer Gut
Wie Spreu und Staub zerstiebe.