Northeimer Datenbank Deutsches Gedicht

Den Herrn Theodor Speer beehrte als einen werthen Freund und Wohlthäter von

Den Herrn Theodor Speer beehrte als einen werthen Freund und Wohlthäter

J.C.G.

Der Phoebus hält ein großes Buch,
Das Wurm und Motte schonen müßen,
Es kleidet sich in Purpurtuch,
Der Demant muß es künstlich schließen,
Die Blätter borgt es von Asbest,
Den Brand und Glut zufrieden läst,
Den Schnidt besprengt ein goldner Regen,
Sein Schranck ist frisches Cedernholz
Und prahlt nicht minder starck als stolz
Des Kleinods und der Dauer wegen.

In dieses pflegt der Musen Hand
Die milden Gönner einzuschreiben,
Die ihrer Priester harten Stand
Aus Mitleid in die Wüsten treiben.
Wer armen Dichtern reicht und schenckt,
Ihr Elend kleidet, speist und tränckt,
Der wird in dieses Buch getragen,
Und wenn der göttliche Poet
Der Weißheit hohes Fest begeht,
Mit Ehr und Ruhme nachgeschlagen.

Hier steht Mäcenas obenan,
Hier wird Augustus abgelesen,
Hier weiset sich der Franzen Hahn,
Der aller Künste Schuz gewesen.
Hier steht, hier glänzt, hier zeiget sich
Der Preußen erster Friederich,
Den Neukirchs Danckbarkeit vergöttert.
Hier lebt des theuren Colberts Fleiß
Und was man sonst vor Helden weis,
Die Pythons Drachenkopf zerschmettert.

Hier wird forthin, gelehrter Freund,
Auch dein Gedächtnüß schriftlich prangen,
Wenn alles, was der Tag bescheint,
Sich mehr verändert als vergangen.
Hieraus wird Fama deinen Ruhm,
Der edlen Seelen Eigenthum,
Mit aufgeblasnem Munde faßen
Und solchen, wenn die späte Welt
Noch etwas auf die Großmuth hält,
Durch tausend Ohren fliegen laßen.

Denn ich bin auch ein ächter Sohn,
Den Phoebus mühsam auferzogen
Und den der Stümper Spott und Hohn
Um manchen guten Freund betrogen.
Du hast dich in der Fremd erbarmt,
Mein langes Ungemach umarmt
Und mich mit Wohlthat aufgenommen,
Mich, der ich als ein Musenkind,
Davon die Sterne Zeugen sind,
In Leipzig nackend angekommen.

Ich küße die genoßne Treu,
Wodurch du dein Gemüth entdeckest
Und troz des Pöbels Raserey
Mir Trost und Hülf entgegenstreckest.
Du thust, soviel du kanst, genug.
Man sagt, es soll kein Waßerschluck
Vom Höchsten unvergeßen bleiben.
Ich will dir noch mit dieser Hand,
Die Noth und Angst und Ohnmacht band,
Ein unvergleichlich Dancklied schreiben.

Versprich dir nur gewißen Lohn,
Was mir geschieht, das borgt der Himmel.
Hier liegt dein Schaz, hier wächst er schon,
Hier frißt ihn weder Dieb noch Schimmel.
Ich weis wohl, was der scheele Neid
Vor ungerechtes Zeter schreyt;
Allein Gedult, in wenig Jahren
Soll dein vor mich besorgter Geist,
Der auch durch Creuz zur Tugend reist,
Ein beßres Feldgeschrey erfahren.

Zwar sprech ich kein Prophetenwort,
Doch dies kan ich vernünftig schließen,
Dein Fleiß ersteigt den höchsten Ort
Und wird der Fürsten Huld genießen.
Es eilt die Zeit, es kommt der Tag,
Auf den ich sicher hofen mag,
Dein Glück am Hofe groß zu schauen.
Es weist dir schon Justinian
Von weitem einen Ruhplaz an,
Auf welchen Ehr und Ansehn bauen.

Mich deucht, ich seh schon deinen Speer
Den Stab des Regiments beschüzen,
Ich seh ihn, deucht mich, ohngefehr
Am heitern Firmamente blizen.
Ich such, ich ehr, ich liebe dich,
Gedenck auch dermahleins an mich,
An Joseph, der gefangen lieget
Und in dem Kercker seiner Noth
Durch manch versauert Kummerbrodt
Egyptens Last zu schmecken krieget.

Du kanst schon jezo hier und dar
Mein Wachsthum an den Gipfel bringen,
Du kanst die weichende Gefahr
Zu gänzlicher Entfernung zwingen.
O thu es, wie du weist und kanst;
Du fütterst keinen Schlangenwanst,
Du wirst dir einen Schwan ernähren,
Er soll, sobald er ausgekielt,
Ja Schwing und Flügel reifer fühlt,
Mit deinem Nachruhm aufwärts kehren.