Northeimer Datenbank Deutsches Gedicht

An die Frau von Breszlerin, geb. von Wirth von

An die Frau von Breszlerin, geb. von Wirth

Entzückendes Geschlecht, ihr Engel dieser Erden,
Durch die wir, was wir sind, ich meine Männer, werden
Und welchen die Natur, die nichts so künstlich baut,
Die Wafen wider uns durch Schönheit anvertraut,
Wie, ist's euch nicht genug, daß Regung, Mund und Mienen
Euch über unser Herz zu Siegeskränzen dienen
Und daß ihr, wenn der Scherz aus Aug und Antliz brennt,
Die Weisen hintergehn und Helden werfen könt?
Gedenckt ihr auch den Ruhm, worauf wir uns befleißen,
Durch Weißheit und Verstand noch vollends hinzureißen?
Und wollt ihr endlich gar mit Ehrsucht und Bemühn
Den Schmuck der Poesie uns von der Scheitel ziehn?
Ihr steigt ja sonst nicht gern, wenn Männer folgen wollen,
Damit nur diese nicht ein Einsehn kriegen sollen;
Jezt aber klettert ihr am Helicon voran
Und lacht, wenn unser Fuß nur hinckend folgen kan.
Glaubt, fahrt ihr weiter fort, durch Wißenschaft und Lehren
Die angebohrne List in eurer Brust zu mehren,
So kehrt ihr ehstens gar im Musenheiligthum
Den eingeführten Staat mitsamt der Herrschaft um.
Da wird der Phoebus euch nur Leyren puzen müßen,
Da wird auch, wenn ihr nun das alte Recht zerrißen,
Der Dichter männlich Chor, geht's noch so bitter ein,
Euch blos um Pagenlohn zur Tafel dienstbahr seyn.
So sprach ich, als ich las, mit was vor Geist und Leben
Die edle Brennerin den Versen Kraft gegeben;
Ich schäzte, lobt und pries das Ufer um den Belt,
Der so ein seltnes Licht in Norden aufgestellt.
Apollo kam dazu und fing mich an zu schelten;
So geht es, bracht er aus, was fremd ist, muß stets gelten.
Du lobst dies Buch, und recht; doch hastu, wie ich seh,
Dies, was du hier erhebst, viel beßer in der Näh:
Besinnstu dich denn nicht auf unsre Mariane?
Mein Tempel sehnt sich schon nach ihrer Ehrenfahne.
Er schwieg; ich wurde roth, gerieth auf beßern Sinn
Und warf den netten Fleiß der klugen Göttin hin.