Northeimer Datenbank Deutsches Gedicht

Tartuffe, Thrax, Gargil, und wer ihr alle seyd von

Ecce iterum Crispinus, et est mihi saepe vocandus
Ad partes monstrum nulla virtute redemptum
A vitiis aeger linguaeque libidine fortis.
Juvenal. Sat. IV. v. 1 - 3.


Tartuffe, Thrax1, Gargil2, und wer ihr alle seyd,
Die ihr am Helicon als Thorheitsmärtrer leidet,
Die ihr bis diesen Tag zum Theil auf Hecheln schreyt,
Zum Theil wie Marsyas das nackte Fleisch entkleidet,
Seyd froh, nunmehr erscheint das Ziel erlidtner Schmach,
Die Blöße des Crispins3 bemäntelt eure Schande,
Macht Plaz, er nimmt den Rang; der Schaum von eurer Bande
Geht ihm, so klein er ist, an grober Boßheit nach.
Jezt habt ihr Fug und Recht, die Dichter zu verklagen,
Die euch der Ewigkeit so heßlich vorgetragen.

Es wiederrufe nun des Moliere Geist,
Despreaux bequeme sich, den Narren abzubitten,
Menage küße den, den seine Feder beißt,
Es werd Eutrop nicht mehr vom Claudian verschnidten.
Bramarbas4 selbst verdient ein Mitleid unsrer Welt,
Und man entschuldige den armen Leporander5,
Die Stümper überhaupt, die Spötter miteinander
Sind unter dem Crispin im kleinern vorgestellt
Und scheinen, sezt man sie dem Pfuscher an die Seite,
So tumm, so arg sie sind, noch klug- und fromme Leute.

Ihr Musen, ist es nicht ein unverdienter Lohn,
Den eure Mildigkeit um Haar und Scheitel windet,
So stäupt, so züchtigt mir den geilen Midas-Sohn,
Bis sein vertracktes Fell die späte Reu empfindet.
Ihr seht, er will mit Macht der Strafe würdig seyn,
Es klaubt sein Unverstand zur Nahrung neidscher Flammen
Hier einen Weiberspruch, dort einen Reim zusammen,
Um den verwegnen Gift mit Fudern auszuspein.
Gewährt, wornach er ringt, und last den Klügling fühlen,
Daß Schweine nicht umsonst in euren Gärthen wühlen!

Dir, Warheit, eignet sich die Zuschrift und das Lied,
Von nun an sey dein Wort die Richtschnur meiner Saythen;
Wen deine Geißel schmeist, wem deine Gnade blüht,
Der soll durch Laster Schimpf, durch Tugend Ruhm erbeuten.
Wer Unverdiente lobt, der hab am Lästern Lust,
Kein schmeichlerischer Hauch soll meinen Mund verlaßen.
Man mag das Schwerd aus Noth und nicht aus Rachgier faßen,
Wirst du mein Friedensschild, mein Colbert, mein August,
So hab ich Hülfe gnug, wenn gleich die Plauder-Käthe
Den schwermenden Crispin gemünzten Vorschub thäte.

Das Kind der Finsternüß, die wilde Barbarey,
Ersah ihr altes Reich in der Elyser Gränzen.
Sie sah es und erschrack und schalt und sann dabey
Auf Mittel und Gewalt, die Riße zu ergänzen.
Ihr Herold machte Lerm und rief die schwarze Schaar
Der Glieder ihres Staats in ein geheimes Zimmer,
Das auf der Riesenhöh mit anderthalbem Schimmer
(So geizig ist die Not) genug zufrieden war.
So bald nur der Befehl der Luft verkündigt worden,
Bewegte sich ein Schwarm von Süden, West und Norden.

Die Thorheit hat den Staar, doch tappte sie voran,
Es musten sie ein Greiß und sieben Kinder leiten;
Der Schein hing Masquen vor, die Hoffart trat die Bahn,
Ihr Steifrock wollte sich wie das Gemüthe breiten.
Die Zwietracht zanckt und biß fast durch den ganzen Weg,
Die Post der Eifersucht bekam Medeens Wagen,
Die Wollust war bequem und lies sich rücklings tragen,
Die naße Trunckenheit verfehlte stets den Steg,
Die Faulheit hielt es nicht mit dem geschwinden Volcke
Und zog so endelich als eine trübe Wolcke.

Der nur mit Schwamm und Moos ringsum spalirte Saal
Lies die Versammleten auf Rasen niedersizen.
Das Erdreich zitterte von der Verdammten Zahl,
Als hätt es gleichsam Lust, den Boden aufzuschlizen.
Zu oberst dehnte sich das obgemeldte Weib,
Die Feindin freyer Kunst, der Haß der Castalinnen.
Vom Auge sah man Schmeer an statt der Thränen rinnen,
Die Nattern züngelten um den bewundnen Leib,
Der Umhang ihrer Pracht war Purpur aus Matrazen
Und deßen Überschlag ein Hermelin von Kazen.

Kaum daß der weite Schlund das erste Wort gebahr,
(Es sazte Müh genug, den Gram herauszuwürgen)
So nahms der Oderstrom in seinen Höhlen wahr,
Und der Sudeten Kluft erzehlt es den Gebürgen.
Die Laster sperrten Maul und Nas und Ohren auf
Und machten augenblicks die fürchterlichste Stille,
Wie wenn der Waßergott und sein erzürnter Wille
Den Wellen Truz gebeuth und den verwirrten Lauf
In Ruh und Ordnung bringt, das müde Brausen schweiget
Und der bedrohte Nord in seine Fäßer steiget.

Ach, Liebste, schaft doch Rath, es ist um uns gethan!
So schrie das Ungeheur mit untermengtem Keichen,
Die Faust der Wißenschaft durchlöchert unsre Bahn
Und zwingt mich überall, den Musen auszuweichen.
Der Wachsthum ihres Ruhms macht, daß mein Ansehn stockt,
Die Länder wickeln sich aus unsern finstern Ketten,
Die sie warhaftig noch an den Gemüthern hätten,
Wenn mir die Klugheit nicht viel Sclaven abgelockt.
Dies, dies verschmizte Weib betriegt mich um die Crone,
Und was sie mir noch läst, das ist der Fall vom Throne.

Mein Eingeweide brennt, der Schmerz zerfrißt das Marck,
Wenn ich den niedern Theil von Schlesien erwege.
Ihr Unkraut wuchert hier so häufig und so starck,
Daß ich Gedult und Lust und Hofnung niederlege.
Die Frau Pedanterey, als unsre Schwägerin,
Ist so vermögend nicht, den Jammer zu erzehlen,
Daß Tugend und Verstand ihr altes Erbrecht quälen;
Sie schnaubt, sie fährt mich an, daß ich so schläfrig bin
Und nicht mit ganzer Macht und nicht mit vollem Heere
Den Einbruch der Gefahr in dieser Gegend wehre.

Ja, sagte sie, nur wie? Vermöcht es diese Faust,
Was gilts, es sollte sich das Blat in kurzem wenden.
Ich dächt, es wäre klar, wie ich vor dem gehaust,
Last euch nur Griechenland ein schriftlich Zeugnüß senden.
Hier ist ein andres Werck und eine stärckre Macht,
Der König über uns hat hier die Hand im Spiele;
Ihr seht sie freylich nicht, genug, daß ich sie fühle.
Wer weis, wie bald der Schlag zum lezten Mahle kracht,
Da die Gelehrsamkeit und tausend beßre Sitten
Den unsrigen bereits den Freyheitshut beschnidten.

Die Parzen haben uns den Untergang versehn;
Es sey nun, wie es sey, das Lezte steht zu wagen,
Man strebe, weil man kan; bisweilen ists geschehn,
Daß sich die Raserey im Engen durchgeschlagen,
Was Kleinmuth fahren läst, das holt gar oft der Grimm,
Schlägts ja zur Lincken fehl, so wüte man zur Rechten.
Mein Arm, so dürr er scheint, hat auch noch Blut zum Fechten.
Courage! treues Volck, erboße dich und nimm
Mein Beyspiel in das Herz, der Eifer schmiedet Wafen,
Die Götter müßen wohl die Herrschaft wieder schafen.

Es schloß ihr Zorn den Mund, ihr Schwur den Daumen zu.
Die Stimmen murmelten wie siedend heiße Töpfe
Und wurden selbst nicht eins, womit man beßer thu.
So gehts, ein einzger Hut bedeckt kein Duzend Köpfe.
Nur die Verwegenheit grif nach dem Degen los
Und rief im Weitergehn: Das hätt ich längst beschloßen.
Wir wißen Furien. Ihr meine Bundsgenoßen,
Folgt mir und meiner Faust, ihr ist kein Sturm zu groß;
Ein jedes Element wird, wollen wir uns rächen,
Mit Gott und der Natur den alten Frieden brechen.

Das rieth ich eben nicht, so fiel die Arglist ein;
Denn so verschütten wir das Kind mitsamt dem Bade.
Ein Pulver wider Gift muß gleichwohl sicher seyn,
Damit der Arzt nicht mehr als Brand und Fieber schade.
Kennt ihr den Riesen wohl, der dort den Aetna trägt?
Wo nicht, erinnert euch, warum Lycaon heule;
Auch Pallas prahlt und glänzt mit einem Donnerkeile6,
Der wie des Juppiters das Feuer dreyfach schlägt.
Gewalt thut Höhern nichts. Wer zwingt uns, zu erfahren,
Wie starck die Himmlischen an Titans Enckeln waren?

Verfolgung beßert nur die traumende Vernunft,
Erweckt den kalten Fleiß und mehrt der Weisen Menge;
Wir schwächen, gebt nur Acht, die Anzahl eigner Zunft,
Denn die Belagerung macht keinen Pindus enge.
Der ofenbahre Neid verkehre sich in List,
Der stürmende Beschluß in ein gelindres Mittel.
Vielleicht erhält man mehr, wenn der Gelehrten Tittel
An einem, der nichts kan, des Ordens Schandfleck ist;
Es dürft ein tummer Kopf den schlecht bestellten Sachen
Vor unsern Trost gar bald ein beßres Ansehn machen.
Der Momus wurd einmahl, man meint, es sey geschehn,
Da Zeus den Thron bestieg, zu des Prometheus Afen
Und wollte, weil er ihm ein Vortheil abgesehn,
(Was thut der Vorwiz nicht!) ein Menschenbild erschafen.
Nun traf sichs ohngefehr, daß er zur Eris kam,
Die ihr Geburthsfest hielt und mit den Lastern zechte.
Das Vivat gieng herum, bis man den Magen schwächte,
Von dem ein halbes Faß die Ladung wieder nahm.
Hier sprizten Jäscht und Schleim dem Momus in die Hände,
Der froh und freudig ward, daß er den Cörper fände.

Er trieb den rohen Zeug in förmliche Gestalt,
Und sieh, es wurd ein Kind von höhnischen Gebehrden.
Die Gäste sprungen zu und wüntschten alsobald:
Du solt, o kleiner Schaz, den Müttern ähnlich werden.
Der Kummer fiel nur vor, es war kein Leben da;
Die Eris windelt es in ein beschwiztes Küßen,
Das man den Sterbenden vom Nacken weggerißen,
Beschrieb den Zauberkreiß, worein sie rücklings sah,
Ein stummes Abra warf und sechsmahl Bonus-Dießte,
Bis die beseelte Frucht der Hex entgegen nießte.

Es blieb in ihrer Zucht und zeigte Fähigkeit,
Die Lehren, so sie gab, bis auf den Grund zu faßen.
Was dünckt euch insgesamt bey so bedrängter Zeit?
Es sollte sich von uns gar wohl gebrauchen laßen.
Der Knabe fast sich gut, es ist nur halbe Müh
Und kostet kurzen Fleiß, ihn völlig abzurichten.
Man übe seinen Kopf in Clausens Lustgeschichten,
Damit der Narrheitstrieb in das Gehirne zieh.
Er kan am Helicon mit Boßheit, Zung und Schriften
Mehr Unheil, mehr Verdruß als zehn Tyrannen stiften.

Ey, lieber geht doch gleich und bringt ihn eilends her,
Geht, rief die Barbarey, wir müßen emsig wachen.
Man gieng, er kam, sie sprach: O, wer doch jünger wär,
Was vor ein hübsches Paar würd unsre Heirat machen!
O du mein Augentrost! O, seht das liebe Lamm,
Seht, Schwestern, seht und sagt, ists nicht ein feiner Junge?
Doch halt, wie steht es wohl um deine glatte Zunge?
Sperr auf, mein Sohn, sperr auf! Gut, der Verleumdungsstamm
Sieht recht vortreflich aus. Die Misgunst soll ihn nüzen
Und wieder alle Welt die schärfsten Pfeile schnizen.

Nun höre doch, mein Sohn, gefällt es dir bey mir?
Von Herzen, schöne Frau. Begehrstu treu zu dienen?
So lang ich lügen kan. Nun wohl, ich seh an dir
Die Einfalt in der That, die Frechheit aus den Mienen.
Du wirst ein Mann vor mich und wieder alles das,
Was Recht und Warheit liebt, viel Federkriege führen.
Zeuch aus, mein Lügengeist soll deinen Trieb regieren,
Fall allen in das Haar, begeifre den Parnaß,
Ficht seine Priester an, verschmäh die Leyerschwestern
Und schone keinen Knecht des Höchsten zu verlästern!

Die Dirnen, so du siehst und hier zugegen hast,
Sind willig und gelehrt, den Handgrif anzugeben.
Thut, Schwestern, euer Amt, die Zeit wird leicht verpaßt;
Die Jugend ist ein Wachs, sie läst die Lehren kleben.
Die Hoffart nahm das Wort sowie des Knabens Hand
Und haucht ihm ihren Wind durch Nase, Maul und Ohren.
Sie sprach: Berede dich, es sey kein Mensch gebohren,
Der mehr als du versteh, der mehr als du erkand;
Ersauf in meiner Brunst, verachte deines gleichen,
Und untersteh dich nicht, den Besten auszuweichen!

Die Thorheit folgte nach und riß den Weißheitszahn
Mit Stumpf und Stiel heraus und sagte: Sey verdorben;
Stell alles, was du thust, nach meinen Krebsen an,
Ich habe mir dein Herz zum steten Siz erworben.
Geuß jeden Funcken aus, der etwan deiner Brust,
So schwach er immer glimmt, ein Licht entzünden möchte,
Und wenn du freyen wilt, so frey in mein Geschlechte.
Hab einzig und allein an eignen Wercken Lust,
Versäume die Vernunft mit niederträchtgem Wißen
Und sey bis in das Grab auf keinen Zweck beflißen!

Sie lies ihn weiter fort. Da wickelte der Schein
Das Vortuch von der Schoos, durchsuchte Schliz und Ficke,
Zog Gips und Talch heraus und strich sein Antliz ein
Und las die Predigt her: Verhehle ja die Tücke,
Beschnelle wen du kanst mit einer frommen Art,
Nimm von der Heucheley der Pharisäer Schmincke,
Daß auch kein Argus seh, daß deine Klugheit hincke;
Durch Blendwerck und Betrug wird manche Röth erspart.
Lern alles obenhin und las von Jung- und Alten
Den Fürnüß deines Koths vor reines Golderz halten!

Der Zuspruch kam herum, und die Verwegenheit
Versteinert ihm zulezt die unverschämte Stirne.
Sie rieth ihm: Scheue nichts, wie sehr die Ehrfurcht dräut,
Steh als ein Gözenbild, damit man ärger zürne,
Halt Ehr und Schande gleich, verfolg und schone nicht,
Gieb große Dinge vor; belauscht man deine Blöße,
So schlag es in den Wind, verdaue Straf und Stöße,
Und lecke wieder das, was dein Gewißen sticht,
Gieb keinem Thraso nach, verschwöre Treu und Friede,
Wer mit den Sünden truzt, der macht die Rache müde.

Crispin war zugestuzt. Die frohe Barbarey
Bekräftigte das Werck mit dem verfluchten Seegen:
Geh, lebe, wachs und blüh, Kraft unsrer Tyranney
Vollführe diesen Bau, dem wir den Grundstein legen,
Beweise dein Geschlecht, erbittre, spotte, schreib,
Was die Gemüther kränckt, damits die Jugend lerne
Und sich auf deinen Zug der Gründligkeit entferne.
Den Lohn versprech ich dir: Ein jedes Heringsweib
Soll dein gelehrtes Buch vor hundert Augen bringen
Und Fama deßen Lob auf mancher Bierbanck singen.

Die drauf erfolgte Zeit bewies es allzusehr,
Wie gut das Tadelkind die Lehren eingesogen.
Er übertraf sie weit und that schon zehnmahl mehr,
Eh ihm das Milchhaar noch das grüne Maul bezogen.
Es flog sein Aberwiz so wie ein nackter Specht,
Dem Schwanz und Flügel kielt, fein zeitig aus dem Neste.
Ja, redt er mit sich selbst, dein Ruhm steht doch nicht feste,
Bis der gespizte Kiel den Nebenchristen schwächt;
Ich muß von jezund an, man weis, wie kurz wir leben,
Ein Zeugnüß meines Stamms und des Gehorsams geben.

O unglückseelger Mensch, der sein vernünftges Pfund,
Mit dem er wuchern soll, auf solchen Wechsel leget.
Er tritt schon zum Voraus mit der Gefahr in Bund,
Die ihr versprochnes Ziel nicht zu versäumen pfleget.
Er stößt den weisen Stein mit blindem Fuße fort,
Sucht durch Gedächtnüßwerck sein höchstes Gut in Schalen
Und ahmt den Wilden nach, die Gold vor Puppen zahlen.
Erhebt sich denn ein Sturm, so weis er keinen Port
Und kreucht in Noth und Angst so wie in Rock und Hemde,
Denn wird die Seelenruh in seinen Gränzen fremde.

Es dräng uns Feind und Neid, man sey verhast, verjagt
Und von der Scheitel an bis auf den Fuß geschlagen,
Ein Geist, der Weißheit liebt, wird, wenn das Fleisch verzagt,
Ein Eden in der Brust, sein Glück im Willen tragen.
Er läst den Spöttern gern den Ruhm der Eitelkeit;
Der Finger der Natur entschleust ihm reichre Schäze,
Zeigt ihm die Folgerung der ewigen Geseze
Und wafnet ihm den Muth mit der Zufriedenheit.
Daher entsteht in ihm, wenn Kraft und Blut verrauschen,
Kein wiederwärtiger Gram, die Erde zu vertauschen.

Bedächte dies das Volck, so noch im Finstern irrt,
Wie ernstlich würd es sich aus dem Verderben reißen;
So aber lauft es blind, wenn Geiz und Hochmuth kirrt
Und Hände geiler Lust der Regung Körner schmeißen.
Es zehlt nicht, was es hat, es wüntscht nur, was ihm fehlt,
Verschiebt die Beßerung von einer Zeit zur andern,
Läst die Gelegenheit mitsamt der Stirne wandern,
Sieht nur, was heut ergözt, und nicht, was morgen quält,
Es träumt, so lang es lebt und muß mit wenig Jahren
Und mit dem lieben Vieh in eine Grube fahren.

Crispin ergab sich jezt der Polyhistorie,
Zog Schwänck und Mährchen ein, die Jung und Mägde brachten,
Und ward vor Freuden kranck, wenn etwan der und die
Vom Pöbel über ihn und sein Gemächte lachten.
Er las und überlas, was er mit Angst geschmiert,
Er sprach sich prächtig aus, wenn Preß und Druck vergonnte,
Daß er sein Anfangs-C. im Nahmen lesen konte,
Den er beym Schlafengehn aus Liebe buchstabirt.
Nun wird man, dacht er oft, in allen Büchersälen
Auch deinen Müßiggang zur klügsten Arbeit zehlen.

Hier liegt Sarckmasius7, man koste nur die Brüh,
Die unser Sudelkoch darüber her gegoßen.
Wer ist wohl so gesund, dem sie nicht Würmer zieh,
Zumahl da fast ein Pfund von Saamen eingefloßen?
Wer sich dabey erbricht und auf den Eckel flucht,
Der spüle nur den Mund aus seiner Priesterquelle8.
Dies Werckchen, sehts doch an, vertritt des Glases Stelle,
Wenn sich die Einfalt puzt und zu bespiegeln sucht.
Nur schade, daß dadurch viel theure Männer leiden,
Da wir vor ihr Verdienst so grobe Federn schneiden.

Wer aber glaubte wohl, daß solche Schmiererey
Sich mit der Ewigkeit noch zu vermehlen dächte,
Wenn nicht der Stümper selbst so prahlrisch und so frey
Den abgeschmackten Saz vor das Gesichte brächte:
Ich und mein Müßiggang, ihr seyd ein braves Paar9;
Wir, schreibt er, eilen nicht zu dem Vergeßungsgrabe.
Gar recht, Crispin, gar recht; wo ich zu bitten habe,
So mach Apollo dir den stolzen Vortrag wahr10
Und laße, weil wir auch an Eulenspiegeln dencken,
Dich durch dies Ehrenlied der lezten Nachwelt schencken.

Die Luft ernährt kein Thier, das mehr Gelächter zeugt,
Als wo der Hochmuthsgeist in Hasencörper fähret.
Da renckt sich Lend und Steuß, da wird kein Knie gebeugt,
Ob ihn der Nachbar schon mit Höfligkeit beschweret.
Die Gaßen sind zu schmal, das Pflaster fühlt den Schritt,
Es wächst der Bauch heraus, als wollt er früher kommen.
Des Landmanns guter Tag wird nicht in Acht genommen,
Denn der gelehrte Mann hat Sinn und Ohr nicht mit,
Weil er das Buch sogar zur Brandtweinschule führet
Und über Stock und Stein die Straßen durchstudiret.

Blieb er ein Narr vor sich, so möcht es noch geschehn;
Was uns nicht Blasen macht, das kan ein andrer löschen.
Geht hin, ihr werdet ihn in Wochenstuben sehn,
Da küzelt er sein Ohr mit richtenden Gewäschen,
Von daraus rennt er flugs die halbe Stadt herum,
Trägt Schwachheitsmängel aus und bringt sie zu Papiere,
Als wär es ein Verlust, wenn jeder nicht erführe,
Lispillens rechter Fuß sey von der Liebe krumm,
Amandens lincke Brust vertrage Biß und Zeichen
Und Blanca laße sich die Flasch ins Bette reichen.

Da klatscht, da kümmert sich das alte Trödelweib
In jeder Rockenzunft um alle Spindelgrillen,
Da sucht er unter Lichts der Köchin Zeitvertreib,
Da holt er Ilsen aus, da forscht er von Sybillen,
Warum ihr guter Mann geduldig schlafen geh,
Wie viel Mirmallens Laz, Celindens Hochzeit koste,
Wovon der Chloris Zahn, Amornens Liebe roste,
Wie hoch Silvonien ihr Leibgedinge steh,
Wie oft sich Frau und Mensch bey dem Begräbnüß raufen
Und Fritz und Florida nach Fingerwalde laufen.

Den Lehrern muzt er auf, was kaum zu ändern steht
Und was das Glück auch wohl dem Fleißigsten versaget.
Fällt ja die Menschligkeit, so wird ein Creuz erhöht,
An dem des Lästrers Maul das Ohr der Unschuld plaget.
Mit Schülern fängt er schon den Zanck in Schriften an,
Als hätt er nie gehört: Aus Schnaten werden Bäume.
Bald jagt er die Gedult mit einem Knüttelreime,
Bald kehrt der Blaustrumpf um und wird ein Wetterhahn,
Da soll hernach das Lob des klugen Masorethen
Den dem Porphyr zuvor gegebnen Stich verlöthen11.

Wie schlecht versiehstu dich, geblendeter Crispin!12
Purgire dich doch selbst, alsdenn gieb andern Pillen.
Wer als ein Gerberschwein der Mägdgen Schoos - - -,
Der wird die Trunckenheit mit keiner Predigt stillen.
O kehre, kehre doch vor deinen Thüren weg!
Wir dürften etwas mehr als einen Menschen riechen.
Gedenckstu noch ans Glas? Es mag sich jezt verkriechen,
Die Tasch ist weit genug. Was, sag es, ist dein Zweck?
Des Nechsten Beßerung? Nein, sondern dein Ergözen,
Den Leuten wehzutun, den Argwohn anzuhezen.

Besäh ich das von ihm geschändete Latein,
Was würde Priscian vor Nasenstüber holen!13
Die Pfeile, so er schiest, sind auch so gar nicht sein,
Das Unkraut pflanzt sein Fleiß, die Blumen sind gestohlen.14
Er füllt, er stopft, er flickt, die Schreibart läst so bunt
Als Florens Unterrock und Fieckchens Sonntagsmüze.
(Ihr Mägdgen, eifert nicht, hier steht die Feuersprize!)
So macht sich eigner Neid durch fremde Wafen kund,
So fängts die Boßheit an, sie wirbt entlehnte Kräfte
Und tadelt Sitten, Gang, Vermehlung, Tracht, Geschäfte.

Die Elster springt und hüpft, bis ihr der Rückgrad bricht;
Es geht, so lang es kan, der Frevel weis ein Ende.
Bis hieher scheut er noch des Phoebus Recht und Licht,
Jezt aber fühlt auch der die ungewaschnen Hände.
Sein Grif entheiligte der Saythen reinen Klang,
Die er nach seiner Art mit grobem Finger drückte,
Und weil er sich dazu wie Kloz zur Fiedel schickte,
Verdroß ihn diese Scham, daß niemand schlimmer sang,
Ja, da er sich aus Zorn die Nägel schon verbißen,
So wollt er Harf und Spiel durchaus zerschmettert wißen.

Inmittelst legte sich Calliope darein
Und eilte vor den Rath der groß- und kleinen Götter.
Wie lange, flehte sie, soll ich um Hülfe schreyn?
Errettet euch und uns von dem verlognen Spötter!
Er spricht euch stündlich Hohn und wird uns noch gewis
(Davor der Himmel sey) den kleinen Anhang rauben.
Die Furcht hat viel Beweis; denn wollt ihr mir nicht glauben,

So schickt nur den Mercur und fragt Hyopolis,
Es wird es euch ein Kind von sieben Jahren sagen,
Daß ihn die Wespen so wie er die Leute plagen.

Es sieht vorhin um uns so schlecht und windicht aus.
Des Phoebus Ehre wanckt und steht auf schwachen Füßen,
Sophia grämt sich ab, bewohnt ein flüchtges Haus
Und kan fast nirgends mehr der alten Ruh genießen.
Man zehlt die Wißenschaft zur Grillenfängerey,
Die Übung der Vernunft wird mit Gewalt vergeßen,
Man will ihr Winckelmaas nach eignem Dünckel meßen,
Man schwizt, man strebt darnach, daß sie verwickelt sey.
Man tritt den wahren Kern und sättigt sich an Schelfen
Und hälts noch wohl vor Ruhm, der Warheit hinzuhelfen.

Und steckt gleich hier und dar noch mancher edler Geist,
Der wohl den Schaden merckt und gern ein Wort verlöre,
Der darf nicht, wie er will, die Thorheit stößt und beißt,
Man schmälert sein Verdienst, man raubt ihm Glück und Ehre.
Bleib, feuriger Lucil, bleib ja in deiner Gruft
Und las den sichern Kopf im Aschennapfe stecken;
Denn sollte dich ein Fall in unsern Tagen wecken,
Vertrügstu nimmermehr die angesteckte Luft,
Die Laster würden dir bey so verderbten Zeiten,
Thät es dein Eifer nicht, den andern Tod bereiten.

Wer wacker schwazen kan, Registerschreiber braucht,
Mit Nahmen um sich wirft, davon die Ohren gellen,
Den unverschämten Kiel in Gall und Lügen taucht,
Zehn alte Schincken list, den eilften darzustellen,
Wer, sag ich, etwan kaum ein Duzend Drucker kennt
Und herzuschnattern weis, was Brown und Hobbes glaubte,
Welch Weib des Isaacs Braut am Hochzeitabend haubte,
Wie viel Gelehrte seyn, die man Johannes nennt,
Der heist galant gelehrt; ich rede mit der Mode.
Crispin ist so ein Fisch, jedoch aus ärgrem Sode.
Er wird in seiner Stadt wie böses Geld bekand;
Er heist Asträens Sohn, sie will ihn nicht erkennen
Und schämt sich, so ein Glied, an dem der kalte Brand
Verstockter Einfalt hängt, ein Glied von ihr zu nennen.
Sie ärgert sich genug, daß er mit Latten läuft.
Erst neulich machten ihn, da er aufs Dorf gerathen,
Die Schenck und das Gelach zum Hundstagsadvocaten.
So tief verfällt ein Mensch, der aus dem Circkel säuft.
Dies sprach Calliope und wollte mehr entdecken
Und blieb doch unverhoft in der Erzehlung stecken.

Die Ursach war ein Trupp, den Meditrine schloß;
Sie jagte den vorher, dem wir sein Lob gesungen.
Ein Satyr peitschte zu und schleppt ihn durch den Troß,
Den die Verwunderung von weiten hergezwungen.
Hier, rief Hygeens Zorn, kommt, großer Juppiter,
Der Bruder des Suffens, der meine Priester schändet
Und unsre Langmuth noch auf neue Boßheit wendet.
Ach, bistu, der du bist, ein stets gerechter Herr,
So las, ich bitte kurz, den schärfsten Spruch erklingen
Und dieses Momus-Kind zu der Erkäntnüß bringen.

Beklagter wollte viel, allein der Götterfürst
Verschloß ihm Muth und Mund mit einem finstren Blicke.
Schweig, Tadler, donnert er; denn daß du lügen wirst,
Das sagt dein Angesicht, der Schauplaz stummer Tücke.
Kein Sünder deiner Art verdient den Donnerkeil,
Er streckt nur Riesen hin, beschädigt keinen Hasen.
Jedoch damit du nicht vergebens Gift geblasen,
So bieth ich dich anjezt als einen Sclaven feil;
Der ungewohnte Stand soll dir mir derben Schlägen
Das auf Haut und Schedel prägen.

Man both den Tadler aus, kein Käufer wollte dran;
Denn der geringste Werth schien allen noch zu theuer.
Silen erbarmte sich, erstund ihn durch den Pan
Und gab vor seinen Leib zween ganze Betteldreyer.
Der stets versofne Gott bestraft ihn recht und gut
Und schlug ihn unverhört zu einem Sattelknechte,
Damit er künftighin sein Leibpferd hüten möchte,
Das viel vernünftiger als so ein Wächter thut.
Nun kan er, ists nicht wahr? bey seinem Eselstreiben
Viel müßge Stunden sehn und faule Tage schreiben.

Die Musen murrten noch: die Strafe sey zu leicht.
Allein der Phoebus kam und stillte seine Töchter:
O, seyd mit dem vergnügt, was euch das Urthel reicht.
Ich straf ihn noch darzu mit ewigem Gelächter;
Ist irgends wo ein Volck, das mein Altar erwärmt,
Das melde seinen Schimpf den Dichtern aller Zungen.
Es schalle weit und breit: So ist es dem gelungen,
Der mit der Barbarey um den Parnaß geschwermt.
Jezt bleibt ihm der Gewinn, daß sein Gedächtnüß stincket,
So lang ein Schlesier aus unsern Brunnen trincket.

Den Trost des Delius beschloß ein Jubelschall.
Die Schwäne wachten auf und schlugen mit dem Flügel,
Das Echo lachte nach und der verdiente Fall
Ergözte Thal und Hayn, bewegte Berg und Hügel.
Die frohe Castalis erfuhr den Lobgesang
Und überstieg sich selbst und lief vor Freuden über;
Da war kein Baum so groß, der nicht je eh je lieber,
Als wär ein Orpheus da, mit Haupt und Wurzel sprang.
Ja, das Gerüchte sagt, es hätten Ast und Blätter
Die Worte nachgezischt: So geh es jedem Spötter!

Der Pindus war erlöst. Drum saß das Jungfernchor
Und feyrete die Lust der angenehmen Stunde.
Calliope stand auf, versucht ihr Heldenrohr,
Sah Schweidniz abwärts ein und stieß aus vollem Munde:
Du mir geweihte Stadt, erhebe doch das Haupt
Aus der mit deiner Pracht bisher vermengten Asche;
Zeuch Feyerkleider an, zerbrich die Thränenflasche,
Der Himmel hat noch mehr, als dir sein Zorn geraubt.
Besinnstu dich denn nicht, daß Schutt und Kohlen düngen?
Die Stätte, wo du weinst, soll Seegensfrüchte bringen.

Dein Carl, dein Kayser, lebt, dein Herr, dein irdscher Gott;
Sein Adler schencket dir den Fittich hoher Gnaden.
Verschmerze die Gefahr, vergiß der Feinde Spott,
Der Wucher, den du hofst, ersezt den heißen Schaden.
Dein theurer Schaffgotsch wacht, die Allmacht laße dir
Noch unter langer Zeit dies Auge nicht entfallen.
Es müßen Fried und Ruh in deinen Häusern schallen,
Es überkleide dich des reichsten Seegens Zier.
So wird die Barbarey mit ihren Thorheitskindern
Dir nun und nimmermehr die Wißenschaft verhindern.

Du hast, berühmter Ort, der klügsten Väter Rath;
Ich überlaße dich der Weißheit ihrer Sorgen.
Mich ruft, ich hör es schon, ich hör es in der That,
Ein Lied der Siegenden und ein Geschrey von Morgen.
Fort, Fama, fliege mit, fort, fort, hier gilt kein Ruhn,
Fort, las dir beym Vulcan die Siegstrompete beßern
Und ihre Lieberey in frischem Purpur wäßern;
Denn dein und unser Amt bekommt gar viel zu thun.
Komm, komm dem Helden nach, er eilt mit Roß und Wagen,
Er eilt, er steht, er schlägt, Triumph! wir müßens sagen.

Aber zum Beschluße rathe ich nunmehr dem Herrn Krausen in allem Ernst, er laße hinfort die Leute zufrieden, mische sich in der Gelehrsamkeit in nichts, was er nicht gründlich verstehet, und schreibe meine hierinnen, doch ohne Verlezung der Warheit, gebrauchte Schärfe seiner eignen Grobheit zu, mit der Erinnerung, daß in der Republica litteraria keine Dictatur verbiethe, die Schnizer solcher Gern-Gelehrten der Welt vor die Augen zu legen. Ich werde mir zwar hinfort mit Wiederlegung seiner boßhaftigen Schmähsucht keine Stunde, die ich nöthigern Wißenschaften schencken muß, verderben; ist ihm aber der Küzel noch nicht vergangen, so sey er versichert, daß es mir gar nicht schwer fallen soll, seine tadelsüchtige Person in meinen poetischen Nebenarbeiten so durchzustriegeln, daß er mich alsdenn mit beßerm Rechte einen Poetam larvatum nennen kan, weil ich einem so elenden Stümper die Larve einer eingebildeten Gelehrsamkeit von dem Gesichte gezogen, da es mir auch niemand verdencken wird, daß ich die Lust, die ich umsonst haben kan und große Herrn bezahlen müßen, mitnehme und die von ernsthaftigen Studiren mir erlaubte Zeit mit einem gelehrten Afen verspiele. Geht er in sich und bedenckt seine eigene Ehre, so mache ich mit diesem Blate der von ihm angefangenen Federkazbalgerey ein nachdrückliches


Ende.


Fußnoten

1 Der von dem Horatio durchgezogene großsprecherische Fechter.

2 Der gelehrte Menage hat unter seinen Lateinischen Gedichten eine vortrefliche und scharfe Satyre auf den unter dem Nahmen des Gargils verkappten Monmort.

3 Es ist solches der durch Müßige Stunden bekandte Theodor Krause, lateinisch Crusius genand, praetendirender Polyhistor in Schweidniz, welcher in der gelehrten Welt gerne eine Figur machen wollte, wenn sich nur diese überreden ließe, daß die Minerva ihr Sinnbild auch unter einem Hasen vorzustellen pflege. Seine in der auf die Geßnerisch-Crusische Hochzeit in Schweidniz verfertigten Charteque mir erwiesene Höfligkeit pag. 6. könte ich leichtlich mit einem arcadischen Lesebengel wieder abfertigen, wenn ich mich nicht schämete, mit dergleichen Worten, deren sich nur der Herr Polyhistor nebst den Gaßenjungen zu bedienen pfleget, das Papier zu beklecken. Aber damit er sich nicht einbilden dürfe, als wenn ich ihm was schuldig bliebe, so seze ich demjenigen Character, den er mir an eben selbigen Orte aus des Beieri Dissert. de injuriis, quo jure quaque injuria gegeben, eine vortrefliche Stelle aus dem Plauto entgegen. Ich finde darinnen das contrefait des Herrn Polyhistors so vollkommen, daß ihn wohl kein Mahler netter trefen sollte, wenn ihm gleich Herr Crispinus mit einer gravitaetischen Polyhistormiene zehn Stunden geseßen. Es befindet sich aber solche Bacchid. Act. V. Sen. I. gleich im Anfange, und mag nur der Herr Crispinus dem hier eingeführten Nicobulo getrost und ohne Furcht zu lügen nachsprechen:

Quicunque ubique sunt, qui fuere quique futuri sunt posthac,
Stulti, stolidi, fatui, fungi, Bardi, Blenni, Buccones,
Solus ego omnes longe anteeo stultitia et moribus indoctis.
Dies zieh ich in den Reim und sag es kürzer so:
Ein Kerl in Duodez, ein Narr in Folio.

4 Besiehe des Herrn Philanders von der Linde Unterredung von der Poesie.

5 Besiehe des Herrn Amaranthes Gedichte hin und wieder.

6 Martianus Capella in Geomet. von der Pallas:
Vel tibi quod fulget rapiturque triangulus ignis.

7 Wer sich von dem judicio des Herrn Krausens einen vollständigen Begrif machen will, der besehe nur die saubere edition von den Sarcmasianis; er wird warhaftig schließen, daß es in seinem Gehirne so ordentlich aussehen müste als um den Thurm zu Babel, da die Arbeiter und Handlanger sich um ihre vermengte Säcke schlugen. Die recension der klugen Arbeit kan man im ersten Theil des Büchersaals finden.

8 Dieses sollen Lebensbeschreibungen etlicher evangelischer Theologorum seyn, aber das Verdienst der wackern Leute ist auch erst nach ihrem Tode unter den Händen eines solchen Stümpers zum Märtyrer worden.

9 Dieses sind seine eigenen Worte in der Charteque auf die Crusische Hochzeit pag. 6. Ich gratulire dem Herrn Polyhistor zu seiner Unsterbligkeit, aber noch mehr unsern Nachkommen, die zum wenigsten durch die Erzehlungen seiner närrischen Poßen ein Theil der Lust genießen, die seine jezt lebende Person der heutigen Welt durch seine gelehrte Windmachereyen und thörichte Polyhistorstreiche verursachet.

10 In seiner oben angeführten Priesterquelle hat er bald am Anfange einen gelehrten schlesischen Philologum in Graecis und Ebraicis mit seiner zukünftigen edition des Porphyrii geschoren, jezo aber, da er deßen Freundschaft benöthiget ist, schmeichelt er ihm in der Crusischen Gratulation unter der Person des Masorethen. Obgleich die Gelehrsamkeit dieses Mannes von solchem Werthe, daß sie von des Stümpers unverschämten Feder weder gelobet noch gescholten werden kan.

11 Der Herr Polyhistor mag es nur jezo noch meiner unnöthigen Höfligkeit zuschreiben, daß ich ja keine weitläuftigere Erzehlung seiner Thorheiten beyfüge. Nichts mehr wundert mich, als daß er, ungeachtet seiner eigenen Schwäche, die Fehler anderer aufzumuzen sich unterstehet, da ihn doch das bekandte Sprichwort lehren solte, daß, wer selbst ein gläsern Dach hat, auf seiner Nachbarn Häuser nicht mit Steinen werfen dürfe.

12 En passant nur eines, Herr Polyhistor: Wie stehts um das oves suas pastus est in der inscription auf den seel. Schweidnizischen Herrn Inspector? Ich mag nur keinen Schundkönig abgeben, sonst könte ich mir mit Zusammenlesung der groben Schnizer, die in seinen Müßigen Stunden alle Blätter füllen, mehr auf den Hals laden, als der Hercules ehemahls auszumisten bekam.

13 Wenn der Herr Polyhistor keine Polyantheen, Diversitees curieuses (die er sich vorher muß exponiren laßen), Herrn Reichels Hans Wursten, das gelehrte Frauenzimmer-Cabinet u.d.g. nicht zu reiten hätte, so würde es um seine Gelehrsamkeit sehr mislich stehen und in seinem Kopfe so aussehen wie in dem ersten Capitel des ersten Buchs Mosis auf der Erden. Die menschliche Klugheit des Herrn Britaine muß seiner Thorheit auf seinen Blättern Schminck und Farbe geben etc. Aber wir sprechen einander weiter.

14 Die Bademütter müßen dem naseweisen Polyhistor gewis den Topf von der Kindelsuppe haben lecken laßen, daß er die Parthey der bekandten Dietrichen von Ronstock wieder den berühmten Herrn D. Petermann in Leipzig so unverschämt vertheidigt in seiner oben angeführten Charteque auf die Crusische Hochzeit p. 6. Bedencke doch der Herr Polyhistor sein Bestes selber und stecke zuvor die Nase noch ein halbes Jahr in die Grammatique, damit er sein Corpus Juris verbaliter verstehen lerne, ehe er sich in Sachen mischt, die über den Horizont seines Verstandes sind. Hätte er nur einmahl ein Ding gesehen, das wie eine Logic aussähe, so würde der Ignorant nicht geschloßen haben: Weil der Herr Eberti (deßen beliebter Fleiß schon entschuldiget wird, indem er die Sachen nur historice erzehlen muß,) in seinem gelehrten Frauenzimmer-Cabinette sezet, daß man gesagt: Die obige Dietrichin habe Herrn D. Petermann auf den Pelz gebrand, ergo so ist es wahr. Der Schluß bindet so vortreflich als dieser: Zwey Gärtnerweiber von Croschwiz halten den Herrn Polyhistor vor einen so gelehrten Mann als etwan ihren Schulmeister, weil sie sie beide in einem großen Buche lesen sehen, ergo ist es wahr. Oder so: Der Herr Polyhistor heist hochedel und ist ein Advocatus Juratus und kan mit einem bordirten Wamst in den - - - fallen, ergo ist er ein guter Juriste. Der gute Herr Polyhistor kümmere sich um seine Schmierereyen und laße die Medicin unangepackt. Will er ja mit ihren Söhnen zu thun haben, so fange er nunmehr bald eine späte Herbstcur an und laße sich bey Zeiten die Würmer vertreiben. Er scheinet ohnedem unter dem Hute eine Maladie zu haben, die fast incurabel ist, wenn er sich nur so weit in Acht nimmt, daß sie nicht weiter ausbreche und etwan auf die künftigen Hundstage zu einer völligen Hauptkranckheit werde. Mir hat er zum wenigsten wegen der Vorsorge seiner Gesundheit vieles zu dancken, weil ich ihm vergangenes Jahr durch ein gutes Vomitiv in meinem krancken Apolline zur Beßerung verhelfen wollte. Die Arzney hat bey seinem Magen so gut gewürcket, daß er ziemlich garstig Zeug ausgespien. Sollte der Paroxismus wiederkommen, so geb ich ihm den Rath des Satyrici: O medici mediam pertundite venam und recommendire ihm aus Furcht eines zukünftigen Recidivs nebst einer guten Diaet den öftern Gebrauch des Salis Sapientiae, das er gewis auf Universitäten von dem Decano in einer sehr schwachen dosi bekommen.