Northeimer Datenbank Deutsches Gedicht

Ihr Mütter, seyd nur gut, wenn gleich mein Kiel gesteht von

Auf die nach erhaltener Doctorwürde in Halle An. 1718. aus Leipzig geschehene Retour Herrn Christian Adam Gorns

Di mihi dent tecum, juvenis lectissime, longum
Vivere et insulsos spernere grammaticos!
Johannes Secundus.


Ihr Mütter, seyd nur gut, wenn gleich mein Kiel gesteht,
Wie oft es mir und ihm nach Weiberweise geht,
Die, wenn sie durch die Nacht das erste Mahl gebähren,
Den Mann mitsamt der Lust vor Weh und Angst verschwören
Und doch, so bald sie nur die liebe Bürde sehn,
Von Stund an ihrem Schaz ein fettes Mäulchen drehn,
Den unbedachten Eid in süße Kannen stürzen
Und ihrer Brunst zu Trost die Wochenzeit verkürzen.
Dies weis Calliope. Bald zwick ich ihr das Knie,
Bald freß ich sie aus Lust und bald verstoß ich sie
Mit Haß und Ungedult und gar so harten Flüchen,
Daß Reime, Silb und Fuß aus Furcht in Winckel kriechen,
Zum Hübner klagen gehn. Man siedet kaum ein Ey,
So sind wir wieder gut, da küß ich sie aufs neu,
Da siz und fang ich dann so eifrig an zu schmieden
Als irgend Mazarin am Pyreneer-Frieden.
So wechseln Lieb und Haß beynah ins sechste Jahr,
Seit dem mein freyer Sinn der kargen Musenschaar
Um Neukirchs Flöthe buhlt und doch geduldig leidet,
Daß Phoebus mir davor ein Pfennigpfeifchen schneidet,
Womit ich, giebt mir gleich kein großer Hof Gehör,
In Thälern lustig bin und, kan ich ja nicht mehr,
Mein Herz zum wenigsten in Noth und Gram erfrische,
Ja oft, nachdem es kommt, die tumme Welt verzische.
Und so, es ist wohl wahr, ergöz ich Ohr und Brust
An tiefer Wißenschaft mit unschuldsvoller Lust,
Dergleichen auch Horaz und andre mehr genoßen,
Die in sich selbst das Thor der Warheit aufgeschloßen,
Der Dinge Grund durchforscht, Geschicht und Zeit durchrand,
Viel Thorheit übersehn, der Liebe Werth erkand
Und, was sie wohl geprüft und was sie selbst gefühlet,
In netter Sprach und Art der Nachwelt vorgespielet.
Dies ist allein der Grund, warum ich so viel Zeit
Und Wachen und Gedult der Poesie geweiht,
Nicht, daß ich mir dadurch das Brodt erfiedeln wollte,
Nein, sondern daß sie mich zur Weißheit führen sollte,
Und zwar durch so ein Gleiß, das angenehmer blüht
Als jene rauhe Bahn, worauf der Stagirit
Und Helmont und Renat es um den Vorrang wagen
Wie Weiber, welche sich bey Leichen Beulen schlagen.
Sie thuts und führt mich auch, so daß mein stiller Geist
Den herrlichsten Geschmack der Weißheitsfrüchte speist,
Die Maro und Homer in göldnen Schalen bringen
Und mit Verstand und Kunst in kluge Fabeln zwingen.
Allein erweg ich auch den mürrischen Verdruß,
Worunter ich den Vers recht mühsam schmieden muß,
So fehlt wohl oft nicht viel, ich macht es wie die Bräute
Und schmiße Kranz und Lust auf einmahl nach der Seite.
Was kostets nicht vor Schweiß, vor Unruh, vor Gedult,
Bevor uns die Natur den Einfluß ihrer Huld
In Geist und Feder senckt! Was hat man nicht zu lecken,
Wenn unsre Clarien nur Misgeburthen hecken!
Man lauret, sizt und sinnt, verändert, schreibt, durchstreicht,
Schmeist Silb und Reim herum, versezt, verwirft, vergleicht,
Eh Wörter und Begrif so wahr als zierlich paßen
Und in des Lesers Ohr ein gründlich Etwas laßen.
Doch wenn es unser Fleiß auch noch so schön gemeint,
Und nachmahls vor der Welt mit Sorg und Furcht erscheint,
So wird er oft so kahl und obenhin gelesen,
Als wär es ein Gebeth von Habermann gewesen.
Kein Blick erreicht den Geist, der in Gedancken lebt,
Kein Mund entdeckt die Kraft, womit das Beywort strebt,
Und niemand kennt noch schäzt die Ordnung im Verbinden,
Da hundert gegentheils noch tausend Splitter finden.
Was hör ich manchmahl nicht vor Thorheit oder Neid,
Wenn ohngefehr mein Kiel ein Tagewerck verstreut!
Da kriegt das Maul zu thun, da schwazt ein Tisch voll Richter,
Da schiert und foltert man den unbekandten Dichter,
Da heists: Wer macht den Vers? Ists Neukirch? Ja. O schön!
Nein, nein. Wer denn? Kehr um! Pfuy, las den Bettel gehn!
Wieso? Es klingt ja noch. Ich dachte, was mich biße.
(Ja Günther denckt es auch; sinds ja nicht kalte Flüße,
So ists gewis der Wurm.) Dem ist kein Titul recht,
Der schilt es ein Pasquill, der nennt den Auspuz schlecht,
Weil weder Bengals Gold noch süß- und seltne Sachen,
Noch Ambra, noch Saphir die Zeilen kostbar machen.
Bald flucht ein Schulmonarch und bald ein Heuchelchrist,
Weil hin und her ein Wort nicht orthodoxisch ist,
Da doch der blinde Tropf die Nase zupfen möchte,
Weil er und Rhodope auf mancher Wagenflechte - -
Ich hätt es bald gesagt - - Dort kommt ein Federheld,
Der Punct und Striche mißt, papierne Pfeile schnellt
Und nichts als so viel weis, das andre Leute wißen,
Der billt schon, da ich nur den Knittel blind geschmißen.
Erst gestern fragt ich noch den kleinen Finger aus,
Der prophezeit mir wohl und nennt ein - - Haus,
In dem das kluge Volck um Florens Wochenbette,
Hier hört man rechtes Zeug, mein Lied gemustert hätte.
Da hat der Fingerhut, mit dem mein Reim gespielt,
Der naseweisen Zunft das Müthchen abgekühlt
Und dies mein Blat voll Scherz so wohl mit geilen Gloßen
Als Gall- und Wermuthsaft und Hasenfett begoßen.
Gut, spielt die Rolle durch, die Zeiten ändern sich;
Wer weis, wie lang es währt, so kommt die Reih an mich.
Doch liebt ihr Scham und Ruh, so zieht mich nicht zu Felde,
Sonst mach ich euch so kahl als wie die Frau von Schelde.
Indeßen weiter dran! Jezt folgt der andre Groll,
Daß Phoebus endlich gar zum Narren werden soll;
Denn alle, wie man hört, verachten rechte Gaben,
Und wollen schlechterdings nur Lustigmacher haben.
Auch Leute, derer Amt und Bart und Stand und Zeit
Des Wohlstands Ernst begehrt, verstellen Gang und Kleid
Und Sitten, Red und Kopf mit abgeschmackten Dingen,
Verscherzen die Vernunft und fangen an zu springen
Und jauchzen überlaut, wenn irgend eine Schrift
Die ihrer Weichligkeit gemäße Zote trift,
Und werden vor Begier fast aus sich selbst getrieben,
Sobald ein grober Kauz ein Quodlibet geschrieben.
O lächerliche Zeit, dein Bild verdient den Brand!
O nimm vor Sens und Ring zwo Pritschen in die Hand,
Sechs Schellen auf den Kopf, den Fuchsschwanz statt der Flügel!
So zeigstu, was du bist, den andern Eulenspiegel.
Der Unruh wird noch mehr, wenn Wieg- und Nahmenfest
Und Braut- und Meisterschmaus mein Pferd besprechen läst.
Da muß der müde Gaul, o fräßen ihn die Raben,
Vor sechzehn Groschen flugs von hier nach Moscau draben.
Und gleichwohl könt er leicht der Welt zu Dienste stehn,
Erlaubt ihm nur das Volck, auf eigner Bahn zu gehn.
So aber sucht man ihm die Wege vorzuschreiben:
Dem soll ich Rolands Stamm in einen Vierzling treiben,
Der fodert auf ein Blat den ganzen Dichterkram
Und ist fast wie Hans Tumm, der dort zum Pinsel kam
Und bat, er möcht ihm doch vor billiges Bezahlen
Den großen Goliath auf einen Dreyer mahlen.
Was, fing der Künstler an, mein Freund, ihr schwermt. O nein,
Nein, lieber Herr, im Ernst. Der Raum ist ja zu klein.
Was thut es? sprach der Narr, hier braucht es kein Bedencken,
Das Bildnüß mag zur Noth den Fuß herüberhencken.
Dem soll ich den Papa in jede Strophe thun,
Der bettelt, geht und kommt und kan vor Angst nicht ruhn,
Bis daß ich Flavien erbermlich vorgeleyret,
Wie, da sie gestern spät das Sonntagszinn gescheuret,
Ihr aufgestreifter Arm die Schwanenhaut entblöst
Und ihm dadurch die Milch der Hofnung eingeflöst,
Daher in seiner Brust ein neuer Aetna brennte,
Dem selbst ihr Schüßelfaß die Glut nicht löschen könte.
Dies, was am ärgsten schmerzt und Groll und Biß erregt,
Ist, daß der Helicon so manchen Gänsrich trägt
Und Bauren, Magd und Knecht auch Lobgedichte kriegen,
Die jezt in deutscher Luft mit so viel Haufen fliegen,
Als Floro Predigten, Neran Recepte stiehlt,
Als Amianthens Frau auf einen Saz verspielt,
Als Künste betteln gehn, als Knaster täglich rauchet
Und Salvo durch ein Jahr geborgte Handschuh brauchet.
Gebt Pflastertreter ab und stoßt an jeden Stein,
Es springt ein Thier heraus, das will ein Dichter seyn.
Der kommt und reckt den Steiß, vergaft sich in sich selber,
Verdreht so Aug als Fuß wie abgestochne Kälber,
Trägt Hut und Busem voll, ertappt mich hier und dar
Und list mir (Himmel hilf, jezt hat mein Ohr Gefahr!)
Ein kranckes Carmen vor und schielt bey jeder Zeile
Und räuspert, bis ich ihr ein falsches Lob ertheile.
Ey, sprech ich, ey, das klingt! Ja, denck ich, hinten um,
Der Herr verschafe sich ein Privilegium
Und las als Erzpoet sein Bild in Kupfer stechen,
Die Trödler werden ihm den reichsten Lohn versprechen,
Und wär es auch nicht mehr, so ist es Heringsbrüh,
Damit der Hunger nicht der Welt ein Licht entzieh
Und so ein Musenkind, ein Bastart wollt ich sagen,
Nicht stets gezwungen sey, ein magres Kinn zu tragen.
Der Misbrauch wütet scharf und macht uns so veracht,
Daß Jungfer, Zof und Troß mit steifen Fingern lacht,
Daß wilder Rittersporn den edlen Lorbeer hindert
Und nirgends ein August der Musen Elend mindert.
Bisweilen findet sich ein dicker Mäcenat.
Allein wodurch, warum? Ein niederträchtig Blat
Bestürmt sein Felsenherz mit ungerechtem Schmeicheln,
Als sucht es Gott und ihm den Himmel abzuheucheln.
Dies Volck vergiebt um Brodt Unsterbligkeit und Ruhm,
Sezt Af- und Hasenfleisch in Famens Heiligthum,
Macht Schneider grob und stolz, schilt Thürmer hochgebohren
Und schlägt wie Padua oft Esel zu Doc-Thoren.
Kommt dann und wann ein Kiel, der frey heraus bekennt,
Den Plason einen Filz, Dorinden kröpficht nennt,
Der Laster Übermuth in Reim und Scherz erzehlet,
Sich selber nicht verschont und blos die Boßheit quälet,
So bricht der tolle Schwarm mit Schwerd und Feuer los,
Wie wenn ein Wespennest den angebrachten Stoß
Durch schnellen Ausfall rächt und viel gereizte Schaaren
Mit Stacheln, Gift und Zorn der Hand entgegenfahren.
Man spuckt und macht ein Creuz und sieht und weist ihm nach,
Man warnt die ganze Stadt vor selbst erlidtner Schmach
Und meidet ihn so sehr als Mops den schlauen Prügel,
Vannin das Gotteshaus und Lorchens Zahn den Spiegel.
Die Asche glimmt wohl noch, worein der Eiferherd
Des albern Choerilus mein neulich Blat verkehrt.
Warum? O fragt nicht erst, er wollte seine Flecken,
Die ziemlich kennbar sind, in Rauch und Dampf verstecken.
Dies that er und gar klug; denn wär ein Fall geschehn,
Daß Mägdgen, sinnt nur nach, das Ehrenlied gesehn,
So kont er bey sich selbst schon zum Voraus gedencken,
Sie würden ihm darauf den Korb voll Spizen schencken.
Doch er ists nicht allein, von welchem mein Gedicht
Ein feurig Urtheil kriegt. Wer fremde Beulen sticht,
Dem wird zur Danckbarkeit der Schleim ins Antliz sprizen.
Wer weis, wie viel nicht schon bey diesen Blättern schwizen
Und heimlich Zeter schreyn! Dem Donner zu entgehn
Und so viel Ärgernüß nicht länger auszustehn,
Entlief ich, wie gesagt, mit angefochtner Ehre
Und halb verbrandter Haut dem Phoebus aus der Lehre,
Das thät ich und gewis; jedoch da mancher Freund
Noch unpartheyisch list und lobenswürdig scheint,
So las ich, weil ich kan, die heisre Flöthe schallen,
Den Tadlern zum Verdruß, der Warheit zu Gefallen.
Was Warheit? schreyt Marcolph, die ist der Dichter Scham!
Marcolph, o schweig doch nur und wirf mir nicht in Kram
Und frag ein andermahl! Du Blume deutscher Jugend,
Du Kind Uraniens und Sohn der weisen Tugend,
Gelehrt- und kluger Gorn, dein Beyspiel nährt den Trieb,
Und jezo hab ich erst die Musen noch so lieb,
Nachdem ich glücklich bin, vor dich ein Lied zu sezen,
Vor dich, den Philuris mit theuren Weißheitsschäzen
Berühmt nach Hause schickt, vor dich, vor einen Geist,
Den Himmel und Natur mit reicher Güte speist
Und deßen durch den Fleiß erworbne Vorzugsgaben
Des Feuers Eigenschaft im Steig- und Wachsen haben.
Ich binde hier kein Lob aus blöder Schwachheit ein.
Wer Weisen kennen soll, muß selbst ein Weiser seyn
Und mehr als ich verstehn. Ich, der ich blos von ferne
Der Wißenschaften Preis in Demuth küßen lerne
Und in der Niedrigkeit bey oft versagter Ruh
Im Dunckeln einen Blick nach jenem Lichte thu,
Das großen Seelen scheint und derer Herz verkläret,
Thu nichts, als was die Pflicht allhier von mir begehret.
Versichert, edler Freund, ich schließe, merck und weis
In etwas dein Verdienst, dein Einsehn, deinen Fleiß
Und ungeschminckten Ruhm und breit ihn durch mein Schweigen
Bey rechten Kennern aus. Du magst dich selber zeigen.
Du thust und wirst es thun. Ein Arzt, den Weißheit küst,
Kriegt, wo der runde Spruch des Alten richtig ist,
Der Götter Ebenbild. Ich will nicht weiter schließen,
Die Welt versteht mich schon. Es mag den Neid verdrießen,
Es schadet dir so viel als Mogol unsrer Stadt,
Verfolgung der Gedult, ein Sturm dem Ararat
Und Thorheit der Vernunft. Du nimmst von Meditrinen
Den hohen Purpurhut und siehst von ihren Bühnen
Dem tiefen Pöbel zu, der mit den Schatten spielt,
Geheime Wunder leugt, auf Testamente zielt,
Ohn Unterscheid und Schluß viel fremde Mittel häufet
Und nur vielleicht darum den Puls so oft begreifet,
Damit der Diamant (wie ist ein Mann so toll?)
Des großen Doctorrings ins Auge fallen soll,
Wie etwan Croesus prahlt, dem, wenn er Beichte sizet,
Die ausgestreckte Faust vor güldner Andacht blizet.
Du hast das Gröbste weg. Jezt ist die Arbeit Lust,
Jezt steigstu sonder Müh, jezt kanstu, wie du must,
Des armen Nechsten Heil, des Höchsten Ehre breiten
Und deiner Vaterstadt ein ewig Lob bereiten.
O wohlgerathner Sohn, o welches Jubelchor,
O welcher Seegensgruß steht deiner Ankunft vor,
Nach welcher Jauer brennt. Was wird der Vater machen?
Es ist, als säh ich ihn durch Freudenthränen lachen.
Wie brünstig wird das Herz der frommen Mutter glühn
Und dieses, was dir einst den ersten Trunck verliehn,
Vor Regung reiner Lust dir in den Armen springen,
Die um den treuen Hals mit Lieb und Ehrfurcht ringen!
So mancher naher Freund und schöne Schwägerin
Wirft Arbeit, Bücher, Gram und Zwirn und Rocken hin
Und kommt. O eile doch der Zärtligkeit entgegen!
Morbona fürchtet schon dein glückliches Vermögen.
Der Schlag erstarrt vor Furcht, das Schröcken bleicht den Tod,
Die Rose wird vor Scham, der Brand vor Schande roth,
Ja gar vor Eifer schwarz. Die kalten Fieber zittern,
Nachdem sie jezt an dir den stärcksten Gegner wittern.
So zeige deinen Mann. Doch glaub und dencke nicht,
Es sey damit genug; du hast noch eine Pflicht,
Die Rath und Vorsicht braucht. Du kanst sie leicht gedencken.
Dein Alter und dein Amt entzieht dich nun den Bäncken
Der Junggesellenschaft. Zwar, wer wie Carno freyt,
Macht freylich, daß die Welt ein schimpflich Brautlied schreyt
Und nachmahls höhnisch fragt, wie lange noch der Knabe
Mit seiner lieben Braut den Bart zu suchen habe.
Du lachst. O lache nicht! Ich zieh Erfahrung an
Und schwöre, daß ich kaum das Waßer halten kan,
Wenn dort um jenen Berg, der Schnee im Sommer heget,
Ein neunzehnjährig Kind schon zwanzig Hörner träget.
Allein ein jedes Ding hat Zeit und Art und Stand,
Und du, gelehrter Freund, bedarfst bereits ein Band
Vergnügter Sclaverey, dein Glücke mehr zu faßen
Und manch verschämtes Herz nicht aus der Cur zu laßen;
Denn hat der Arzt kein Weib, so gilt er kaum noch halb.
Die Amtfrau schlachtet ihm kein fettes Küchenkalb,
Er kriegt vom Monde nichts, auch nichts vom Kindelsode.
Viel Jungfern schweigen sich noch lieber gar zu Tode,
Eh Zucht und Keuschheit ihm den bösen Bauch vertraut.
Ja, wenn der jungen Frau am frühen Tage graut,
So fragt sie ihn nicht drum, als wenn man auch nicht wüste,
Daß der, die spät gestopft, des Morgens eckeln müste.
Versorge dich nur wohl und las den Frühlingsschein
Der Jugend, die dich schminckt, kein faules Brachfeld seyn!
Wer weis, wie viel dir schon mit süßem Wuntsche warthen!
Wer weis, wie manche Schaar Stern, Stechbuch, Spiel und Charten
Und Weihnachtnüße fragt, vor welches schöne Kind
Die Blumen deiner Gunst hinfort gewidmet sind!
Der Vorwiz plagt mich selbst, den Engel bald zu kennen;
Denn nichts Gemeines wird in deiner Flamme brennen.
Ihr Sonnen Schlesiens, ihr, die ihr dort naus strahlt,
Wo Tag und Morgenröth die Riesenhügel mahlt
Und Zacken, Weistriz, Loh und Ohl und Oder rauschen,
Ihr, die ihr fähig seyd, den Busen zu vertauschen,
Und Wiz in Schönheit mengt, empfangt mir diesen Freund
Mit allem, was galant und hoch und redlich scheint!
Ergözt ihn unter euch mit Blumen, Kuß und Scherzen
Und werft ihn bald mit Schnee und werft ihn bald mit Herzen!
Drückt, kneipt und bindet ihn und last ihn ja nicht los
Und tragt ihn mit Gewalt der Besten in den Schoos!
Ihr sollt gewis davor vom Phoebus Danck verdienen,
Und eure Schönheit wird in unsern Liedern grünen,
So lang ein Adler blizt, der unter Gnad und Wacht
Ein neu Arcadien aus euren Gränzen macht
Und täglich sich bemüht, auch mitten unter Wafen
Der Liebe Sicherheit, den Künsten Brodt zu schafen.
Geneuß, gelehrter Gorn, des Vaterlandes Ruh
Und deiner Wißenschaft und eil auf Jauer zu
Und nimm den Seegen mit. Doch las mich allzeit glauben,
Es könne mir kein Fall die edle Freundschaft rauben,
Womit mich dein Verstand geliebt und oft geschüzt.
Ich werde, wenn nunmehr dein Brautkleid feste sizt,
Dem muntern Pegasus, so sehr ihn Stümper haßen,
Mit größrer Zärtligkeit den Zügel schießen laßen.