Northeimer Datenbank Deutsches Gedicht

An den Mond von

An den Mond

Du mir am Himmel,
Goldener Sichelmond,
Den ich zu sehen schon
Nimmer gewohnt:
Weil mich mit großem
Gram das Geschaute schlug,
Weil ich ein Leiden tief
Herzinnen trug —

Du mir am Himmel,
Mondsichel, golden schön,
Wirst, was mich quält und reut,
Sicher verstehn:
Alle des Menschen
Bittre Vergeblichkeit,
Die mich hindurchgehn läßt,
Aber nicht feit —

Du mir am Himmel,
Selig und unbeschwert,
Mir ist das Hirn so oft
Völlig zerstört.
Mir ist das Herz so
Oft außer Rand und Band,
Ahn' ich in dir einen
Reinen Bestand —

Du mir am Himmel,
Sichelmond, schön aus Gold,
Bleib meinem Nächtlichen
Brüderlich hold!
Wie überm Abgrund
Liebe als Rettung schwebt:
Bleib! Und ich lebe und
Habe gelebt!